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23.10.2019, 19:08:47 / Feuilleton

Fälschungsskandal: Relotius gegen Moreno

Beleidigter Betrüger: Claas Relotius
Beleidigter Betrüger: Claas Relotius

Hamburg. Rund fünf Wochen nach Erscheinen des Buchs »Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus« geht der frühere Spiegel-Journalist Claas Relotius gegen das Werk von Autor Juan Moreno vor. Eine Prüfung des gut 280 Seiten umfassenden Buchs habe ergeben, dass sich darin »erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen« finden, heißt es in einem der Deutschen Presseagentur vorliegenden Schreiben von Relotius’ Anwalt Christian Schertz an den Rowohlt Berlin Verlag und den Autor Moreno. Konkret werden in dem Schreiben, über das zuvor die Zeit berichtet hatte, mehr als 20 Stellen moniert.

Der Rowohlt Berlin Verlag erklärte, dass in dem Schreiben an keiner Stelle bestritten werde, »dass Claas Relotius zahlreiche Reportagen frei erfunden oder gefälscht hat, ebenso wenig werden Morenos Beweise, die zur Überführung von Claas Relotius geführt haben, angezweifelt«. Es handele sich nach Meinung des Verlags um den Versuch, mit Randfragen und Nebenschauplätzen Moreno zu diskreditieren. Der Verlag habe die Sache seiner Anwältin übergeben und mache daher derzeit keine weiteren Angaben dazu.

Relotius sagte laut Zeit: »Ich bin mir meiner eigenen großen Schuld heute sehr bewusst und will durch die Auseinandersetzung mit diesem Buch nicht davon ablenken. Ich stelle mich allem, wofür ich verantwortlich bin, aber ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen.« Moreno beschreibt in »Tausend Zeilen Lüge«, wie er das Vorgehen seines Exkollegen Relotius enttarnte. Jahrelang hat der heute 33jährige für seine gefeierten Reportagen Szenen, Ereignisse, ganze Existenzen erfunden. Vor allem für den Spiegel, aber nicht nur. (dpa/jW)

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