Schwarzer Kanal
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Imperien haben keine Freunde

Die USA lassen ihre kurdischen Verbündeten in Syrien im Stich
Von Mumia Abu-Jamal
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Der damalige US-Präsident George W. Bush entfesselte 2003 mit der Operation »Shock and Awe« (Schrecken und Furcht) einen Krieg gegen die von Saddam Hussein und seiner Baath-Partei regierte Republik Irak. Vorgeschobener Kriegsgrund war die Lüge von im Irak angeblich vorhandenen »Massenvernichtungswaffen«. Nach dem militärischen Sieg der von den USA angeführten Truppen der »Koalition der Willigen« war das nördliche Territorium Iraks – heute die »Autonome Region Kurdistan« – das einzige Gebiet, in dem sich die US-Armee relativ sicher bewegen konnte.

Der Einmarsch in Irak, der als der größte Fehler in der Geschichte der US-Außenpolitik angesehen wird, löste eine Welle von Katastrophen, Chaos und Unzufriedenheit im gesamten Nahen Osten aus.

Notgedrungen nutzten die Kurden die katastrophale Entwicklung zu ihrem Vorteil und festigten ihren Einfluss auf die Macht im Irak. Auch die im Norden Syriens und im Südosten der Türkei lebende kurdische Bevölkerung und ihre Organisationen bauten nach dem Vorbild ihrer Landsleute im Irak autonome Regionen auf. Aber die Türkei, ein extrem nationalistisches Land, bekämpfte diese Bestrebungen von Anfang an. Früher war es den Kurden in der Türkei sogar verboten, ihre Sprache zu sprechen, und wer es wagte, seine traditionelle Kleidung zu tragen, konnte dafür ins Gefängnis geworfen werden. Insbesondere Mitglieder und Unterstützer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Widerstand gegen die Unterdrückung leisten, werden als »Terroristen« gebrandmarkt und verfolgt.

Jüngst hat die Entscheidung der von Präsident Donald Trump angeführten US-Regierung, ihre Truppen aus Nordsyrien zurückzuziehen, die dortigen Kurden und ihr Streben nach Freiheit und Autonomie der skrupellosen Aggression der nach Syrien eingefallenen türkischen Armee ausgeliefert. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG waren die einzigen, die der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« eine militärische Niederlage beibrachten. Weil sie das als Verbündete der Vereinigten Staaten von Amerika taten, die sie jetzt im Stich lassen, sind sie seit Beginn des türkischen Einmarschs Luftschlägen und Artilleriebeschuss ausgesetzt und befürchten ein Massaker an der kurdischen Zivilbevölkerung.

Imperien haben weder Freunde noch echte Verbündete, sie wollen nichts anderes als willige Lakaien. So haben die USA auch die kurdischen Befreiungskräfte ausgenutzt, bis sie sie nicht mehr brauchten. Nun sieht die kurdische Bevölkerung im Kriegsgebiet einer humanitären Katastrophe entgegen, aber es ist zu hoffen, dass die Welt sie dabei nicht allein lässt.

Übersetzung: Jürgen Heiser

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