Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 18.10.2019, Seite 16 / Sport
Boxen

»Auch wenn das Publikum buht«

US-Profiboxer Patrick Day erlag nach schwerem K. o. seinen Verletzungen
Von Jens Walter
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Vor dem K. o.: Charles Conwell (l.) und Patrick Day (Chicago, 12. Oktober 2019)

Wieder schreckt ein Todesfall die internationale Boxszene auf – und wieder wird über Konsequenzen der Tragödie diskutiert. Der US-Amerikaner Patrick Day ist am Mittwoch, vier Tage nach seiner K.-o.-Niederlage beim Kampfabend in Chicago gegen Landsmann Charles Conwell, seinen schweren Kopfverletzungen erlegen.

Zuletzt hatte es fast monatlich Todesfälle im Profiboxen gegeben. »Es ist jedes Mal aufs neue eine Katastrophe«, sagte Präsident Thomas Pütz vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) dem sid. Angesichts der vielen Boxkämpfe weltweit sei die Todesrate zwar immer noch gering, »doch wir können uns damit nicht einfach abfinden«, so Pütz, dessen Verband in Deutschland für die Profikämpfe zuständig ist. Pütz reist nächste Woche zum Kongress des World Boxing Council (WBC), eines der vier großen Weltverbände im Profiboxen, nach Mexiko. »Dort wird es auch medizinische Seminare geben, in denen ich darauf hinweisen werde, wie groß die Verantwortung für die Ringrichter und die jeweilige Ringecke ist. Ein Kampf muss rechtzeitig abgebrochen werden, auch wenn das Publikum buht.«

Inwieweit es beim Fight von Day ein Versäumnis der Verantwortlichen gab, ist noch nicht abschließend geklärt. Der 27jährige war nach seinem schweren Niederschlag am Samstag abend ins Northwestern-Memorial-Krankenhaus von Chicago eingeliefert und noch in der Nacht zu Sonntag am Gehirn notoperiert worden. Der Eingriff half am Ende jedoch nicht mehr. Sein Promoter Lou DiBella bestätigte den Tod in einem Statement. »Im Namen seiner Familie, seines Teams und seiner engen Freunde bedanken wir uns für die Unterstützung und die Liebe, die er nach seiner Verletzung erhalten hat«, hieß es in der Mitteilung. Day war nach mehreren schweren Kopftreffern seines weiter unbesiegten Gegners Conwell zu Boden gegangen. Der Superweltergewichtler (69,8 kg) wurde bewusstlos mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Der übertragende Streamingdienst Dazn hatte berichtet, dass Day auf der Fahrt in die Klinik einen Schlaganfall erlitten habe und künstlich beatmet werden musste. Day hatte einen Kampfrekord von 17 Siegen, einem Unentschieden und vier Niederlagen.

Ende September war der Bulgare Boris Stantschov bei einer Boxnacht in Albanien verstorben. Der Federgewichtler war unter dem Namen und mit der Lizenz seines Cousins Isus Velitschkov angetreten und brach nach mehreren Kopftreffern im Ring zusammen. Ende Juli erlag Profiboxer Maxim Dadaschew nach einem Kampf gegen Subriel Matías (Puerto Rico) seinen Verletzungen. »Wir müssen in Deutschland auch weiterhin alles unternehmen, dass es hier zu solchen Fällen nicht kommt. Es gibt frühzeitig Schutzsperren, außerdem müssen alle Boxer medizinische Untersuchungen vorweisen«, sagte Pütz.

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