Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 15.10.2019, Seite 6 / Ausland
Gespräche Indien China

Hauptsache, nette Atmosphäre

Strittige Themen bei inoffiziellem Treffen zwischen Staatschefs von Indien und China ausgespart
Von Thomas Berger
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Chinas Präsident Xi Jinping und Indiens Premier Narendra Modi besuchten am Freitag den Shore-Tempel in Mamallapuram

Das Treffen zwischen dem Regierunsgchef Indiens und dem Staatschef der Volksrepublik China ist wie erwartet verlaufen: Statt Inhalten und klaren Ergebnissen standen Symbolpolitik und eine lockere Atmosphäre beim inoffiziellen Gipfel zwischen dem indischen Premier Narendra Modi und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Freitag und Sonnabend vergangener Woche im Vordergrund. Nachdem Xi den indischen Premier bereits vor anderthalb Jahren im zentralchinesischen Wuhan abseits des gängigen Protokolls empfangen hatte, revanchierte sich Modi nun mit der Einladung in den südindischen Unionsstaat Tamil Nadu. Glaubt man den offiziellen Verlautbarungen nach den Gesprächen, dann mit Erfolg: So sprach der Gastgeber von einem »neuen Aufschwung« für die bilateralen Beziehungen und einer Ära verstärkter Kooperation. Xi wiederum erklärte, man habe gute »Diskussionen von Herz zu Herz« über unterschiedliche Themen geführt, und lud Modi zu einem nächsten Besuch ein, bevor er weiter nach Nepal flog.

Das klingt zunächst verwunderlich, darf das Verhältnis zwischen den beiden asiatischen Giganten in jüngster Zeit doch mit Fug und Recht als angespannt bezeichnet werden. Zwar sind sich China und Indien gemeinsam mit ihren Partnern Russland, Brasilien und Südafrika im BRICS-Verbund grundsätzlich darin einig, ein Gegengewicht zum globalen Führungsanspruch der USA darstellen zu wollen. Gleichzeitig gibt es jedoch eine Vielzahl an Themen, bei denen die Meinungen weit auseinandergehen. Dazu gehört unter anderem der Umgang Indiens mit seinem Bundesstaat Jammu und Kaschmir, dem Neu-Delhi am 5. August den zuvor verfassungsmäßig garantierten Autonomiestatus entzogen hatte. China unterstützt in der Frage die Position Pakistans und hatte diese Position erst zwei Tage vor Beginn des Gipfeltreffens beim Besuch des pakistanischen Premiers Imran Khan in Beijing erneut bekräftigt.

Auch was den Grenzverlauf zwischen Indien und China im Himalaja betrifft, gibt es Konflikte. Die Volksrepublik beansprucht den indischen Gliedstaat Arunachal Pradesh für sich, über jüngste indische Militärübungen in der Region zeigt sich Beijing »besorgt«. Neu-Delhi wiederum stößt sich am sogenannten chinesischen Entwicklungskorridor in Pakistan, der ein Herzstück der von Xi angestoßenen »Belt and Road Initiative« (BRI, »Neue Seidenstraße«) darstellt. Mit seinen Infrastrukturprojekten bis zum Hafen Gwadar soll diese auch durch von Pakistan kontrollierte Teile Kaschmirs verlaufen.

»Heiße Eisen« sparten die beiden Regierungschefs am Wochenende jedoch ganz bewusst aus. Statt dessen konzentrierten sie sich auf wirtschaftliche Themen und Sicherheitsfragen. So erklärte Vijay Gokhale, Staatssekretär im indischen Außenministerium, nach dem Treffen, angesichts des enormen Handelsdefizits Indiens im bilateralen Warenverkehr habe man vereinbart, Mechanismen zu entwickeln, diese Schieflage zu vermindern. Folgegespräche dazu soll es zwischen Indiens Finanzministerin und dem chinesischen Vize­premier geben. Außerdem hätten Xi und Modi die Radikalisierung und den Terrorismus als gemeinsame Bedrohungen herausgestellt.

Und auch abseits des Treffens sorgte Modi dafür, dass sich sein Gast aus der Volksrepublik wohlfühlen konnte. So hatten indische Einsatzkräfte im Vorfeld des Gipfels elf tibetische Aktivisten in Chennai festgenommen. Bei ihnen soll es sich um Mitglieder des »Tibetischen Jugendkongresses« handeln. Seit Jahrzehnten beherbergt Indien in Dharamsala die sogenannte tibetische Exilregierung und den Dalai Lama.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Achim Lippmann: Positiver Trend An der Analyse mag einiges dran sein, aber der grundsätzliche Trend der Entwicklung der Beziehungen zwischen Indien und China ist positiv. Der Autor vergaß sogar einige kritische Punkte: Indien nimmt ...

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