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Aus: Ausgabe vom 05.10.2019, Seite 5 / Inland
Industrie

Abkühlung für Stahlbranche

Massenentlassungen im Saarland. Ministerpräsident fordert Hilfe von Kanzlerin
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Stahlarbeiter im Saarland bangen um ihre Zukunft (Völklingen, 5.9.2017)

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sorgt sich um die in dem Land wichtige Stahlindustrie und hat in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Hilfe gebeten. Schon seit einiger Zeit herrsche in den Unternehmen Kurzarbeit, schrieb Hans in dem Brief, aus dem die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Freitag zitierte.

Nun hätten sich die Verhältnisse nochmals deutlich verschärft, schreibt Hans weiter. Die Dillinger Hütte und Saarstahl hätten einen Abbau von annähernd 20 Prozent der Beschäftigten in den kommenden drei Jahren angekündigt. Die Stahlbranche ist im Saarland der zweitwichtigste Industrie­zweig. Allein die beiden genannten Unternehmen beschäftigen weltweit rund 14.000 Menschen.

Zuletzt hatten IG Metall und Betriebsräte an der Saar angekündigt, mit den saarländischen Bundespolitikern Peter Altmaier (CDU) und Heiko Maas (SPD) zusammenkommen zu wollen. Am Mittwoch hatten der Gewerkschaft zufolge bei einer Kundgebung vor dem Landtag in Saarbrücken etwa 1.200 Menschen gegen die drohende Entlassungswelle im Land demonstriert.

Hans schrieb in dem Brief an Merkel von großen Umbrüchen für die gesamte deutsche Stahlindustrie. »Meine große Sorge ist, dass ohne erneute gemeinsame Kraftanstrengungen von Land, Bund und der EU die anstehenden Herausforderungen nicht bewältigt werden können«, formulierte Hans in dem Schreiben. Auch der Weg hin zu einer teureren, umweltfreundlicheren Stahlproduktion werde nicht ohne Unterstützung des Bundes und der EU machbar sein.

Zu einer möglichen Höhe der Hilfen für die Stahlbranche sagte Hans der FAZ: »Wenn wir 40 Milliarden Euro haben, um aus Klimaschutzgründen aus der Kohleverstromung auszusteigen, müssen wir auch einen Milliardenbetrag, der nicht zweistellig ist, aufbringen können, um unsere Stahlindustrie in eine klimaneutrale Zukunft zu führen.« Das nationale Klimapaket sei zwar richtig, erschwere aber die Lage der Stahlindustrie, weil Energie damit noch teurer werde. (dpa/jW)