Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 14.09.2019, Seite 5 / Kapital & Arbeit
Beschäftigung im Schiffbau

Im Aufwind

Gute Auftragslage, mehr Beschäftigte: Die deutsche Schiffbauindustrie hat sich wieder erholt. Viel Leiharbeit und Werkverträge
Von Ina Sembdner
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Kreuzfahrt- statt Containerschiff: Die deutsche Schiffbaubranche hat ihre Nische vorerst gefunden (Papenburg, 17.8.2019)

Der Schiffbau in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt, obgleich die Branche weltweit in eine Auftragskrise geraten ist. Das ist vor allem der Fokussierung auf Hightech-Schiffe wie Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Luxusjachten zu verdanken, deren Absatz weiterhin weltweit boomt. Am Freitag hat die IG Metall Küste in Hamburg die Ergebnisse der 28. Schiffbauumfrage vorgestellt und aufgezeigt, wie es in den kommenden Jahren weitergehen könnte. Daran beteiligt hatten sich die Betriebsräte von 39 Werften mit insgesamt 18.122 Beschäftigten.

Nach einem Rückgang 2008 und nahezu stagnierenden Werten bis 2017, ist seitdem wieder ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen auf deutschen Werften zu verzeichnen. 2018 noch verhalten, 2019 bereits mit einem Plus von sieben Prozent auf insgesamt 18.122 Arbeiter. Auch für das kommende Jahr geht die Gewerkschaft von einem Plus von drei Prozent aus. Neben den Werften gehören rund 2.800 Unternehmen, die meisten davon Zulieferbetriebe, zur Schiffbauindustrie. Dort gab es zuletzt ebenfalls steigende Beschäftigtenzahlen zu verzeichnen. Rund 100.000 zusätzliche Arbeitsstellen konnten geschaffen werden, ein Plus von 11,2 Prozent.

Das Gros der Neueinstellungen machen allerdings nicht Stammbeschäftigte, sondern Werkvertragsarbeiter aus. Deren aktueller Anteil beträgt bei den Werften demnach 48 Prozent. Laut der Befragung liegen bei Werkverträgen die Hauptprobleme im Bereich der Arbeitssicherheit, in Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz und mangelnder Mitbestimmung. Wie die IG Metall auf ihrer Webseite erläutert, gebe es zwar durchaus gutbezahlte Werkvertragsarbeit, in der Regel seien die Löhne und Arbeitsbedingungen jedoch schlechter als bei den Stammbeschäftigten. So würden »Fremdfirmenleute« und »Externe« keine Ermäßigung in der Kantine erhalten, keinen Platz im Werkskindergarten und oft auch keine korrekte Arbeitsschutzausstattung.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich zudem die Einstellungspolitik geändert. Wurden 2018 noch 88,8 Prozent der Beschäftigten »über andere Wege« angestellt, betrug dieser Anteil im aktuellen Jahr 30 Prozentpunkte weniger. Im gleichen Maß zugenommen hat dagegen die Einstellung von Leiharbeitern. Hinzu kommt, dass über 40 Prozent der neuen Kräfte in diesem Bereich bereits zuvor beschäftigte Leiharbeiter waren.

Im Vergleich der Bundesländer kann vor allem Mecklenburg-Vorpommern punkten. Mit einem Plus an Beschäftigten von 33,8 Prozent gegenüber 2018 und einem Anstieg von 116,1 Prozent in den vergangenen drei Jahren konnte zu den führenden Produktionsstandorten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein aufgeschlossen werden. Neuer Spitzenreiter beim Auslastungshorizont ab September 2019 ist die Thyssen-Krupp Marine Systems GmbH mit ihrer Werft in Emden. Unter anderem dank der Rüstungsaufträge aus Israel, Ägypten und der Türkei liegt sie mit 75 Prozent vor der Meyer-Werft GmbH & Co. KG mit 57 Prozent. Insgesamt bewertet die Gewerkschaft die aktuelle Situation als »zufriedenstellend«. Gegenüber dem Vorjahr hätten sich die Auslastungshorizonte im Neubau häufig verbessert, und bei einem Großteil der Werften liege die Auslastung bei 80 bis 100 Prozent.

Der Anteil der Beschäftigten über 55 Jahre stieg seit 2015 kontinuierlich an, ist im vergangenen Jahr allerdings leicht auf 19,9 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der eingegangenen Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz auf den Werften ist dagegen zwar leicht angestiegen, die Ausbildungsquote befindet sich aber weiter im Sinkflug auf zuletzt 5,9 Prozent. Auch der Anteil der dual studierenden Auszubildenden ist weiter rückläufig. Positiv ist die weiterhin hohe Übernahmequote von derzeit 99,2 Prozent.

Bei der Präsentation am Freitag forderte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, in Anbetracht der Umfrageergebnisse mehr feste Stellen und Auszubildende auf den Werften, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Zudem sei die verstärkte Nutzung von Leiharbeit und Werkverträgen ein Grund zur Sorge, sagte Geiken.

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