Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Sa. / So., 23. / 24. Oktober 2021, Nr. 247
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 03.09.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Massaker von Kundus

Hintergrund: Die nordafghanische Provinz Kundus

Die im Norden Afghanistans gelegene Provinz Kundus, Schauplatz des Massakers vom 4. September 2009 (Ortszeit), ist der Einsatzschwerpunkt der Bundeswehr am Hindukusch gewesen, solange sie ein Feldlager in der gleichnamigen Provinzhauptstadt unterhielt – von Oktober 2003 bis Oktober 2013. Verliefen die ersten Jahre des Einsatzes noch vergleichsweise ruhig, so nahmen die Aufstandsaktivitäten der Taliban zu, seit ein Suizidattentäter am 19. Mai 2007 auf einem Markt in Kundus acht Menschen ermordete, darunter drei deutsche Soldaten. Spürbar wurde das auch 2009, nicht zuletzt im Distrikt Char Darah südöstlich der Stadt Kundus, wo im Frühjahr und Sommer des Jahres immer wieder deutsche Militärs verwundet oder getötet wurden. In Char Darah fand am 2. April 2010 auch das »Karfreitagsgefecht« statt, bei dem drei Bundeswehrsoldaten getötet wurden und das für einen Moment dem Krieg in Afghanistan wieder Aufmerksamkeit in der Bundesrepublik verschaffte.

Kundus ist nach dem Abzug der Bundeswehr die erste Provinzhauptstadt in Afghanistan gewesen, die die Taliban wieder unter ihre Kontrolle bringen konnten. Ende September 2015 überrannten sie die Stadt. Es dauerte zwei Wochen, bis die afghanischen Streitkräfte verkünden konnten, sie hätten die Aufständischen wieder vollständig vertrieben. Für Schlagzeilen sorgte, dass bei der Rückeroberung ein US-Kampfjet – diesmal nicht auf deutschen Befehl – ein Krankenhaus bombardierte, das von »Ärzte ohne Grenzen« unterhalten wurde. Dabei starben Berichten zufolge mehr als 40 Menschen.

In der Nacht zum vergangenen Samstag gelang es den Taliban erneut, Teile von Kundus einzunehmen. Dabei wurde auch das in der Stadt gelegene Camp Pamir beschossen, in dem sich gegenwärtig rund 80 deutsche Soldaten aufhalten sollen – als »Berater« der afghanischen Streitkräfte. Laut offiziellen Angaben soll die Taliban-Offensive mittlerweile zurückgeschlagen worden sein. In der Nacht zum Sonntag wurde allerdings auch Pul-e Chumri, die Hauptstadt der südlich an Kundus grenzenden Provinz Baghlan, von Taliban attackiert. Dutzende kamen ums Leben. (jk)

Mehr aus: Schwerpunkt

Die XXVII. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet am 8.1.2022 als Präsenz- und Livestreamveranstaltung statt. Informationen und Tickets finden Sie hier.