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Aus: Ausgabe vom 02.09.2019, Seite 1 / Inland
Ausbeutung

Ostdeutschland bleibt abgehängt

Jeder dritte Vollzeitbeschäftigte dort arbeitet für einen Niedriglohn. Mehr Frauen als Männer betroffen
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Arm trotz Arbeit: Eine Schneiderin in Sachsen bekommt nur einen Niedriglohn

In Ostdeutschland arbeitet fast jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Vollzeitjob für einen Niedriglohn. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonnabend berichtete.

Bundesweit verdienten im vergangenen Jahr 4,14 Millionen Vollzeitbeschäftigte weniger als 2.203 Euro. Dieser Wert entspricht zwei Dritteln des mittleren monatlichen Bruttoentgelts und wird auch als »Niedriglohnschwelle« definiert. Bundesweit lag mit 19,3 Prozent fast jedes fünfte Vollzeiteinkommen unterhalb dieses Niveaus. In den ostdeutschen Bundesländern erhielten 1.248.516 Beschäftigte nur einen Niedriglohn. Das entsprach einem Anteil von 32,1 Prozent. In Westdeutschland gab es 2.892.287 Vollzeitbeschäftigte unterhalb der Niedriglohnschwelle (16,5 Prozent).

Die Vizefraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Bundestag, Susanne Ferschl, sagte dem RND: »Die Bundesregierung lässt die Menschen in ihrer Not allein und hält an ihrer verfehlten Arbeitsmarktpolitik fest.« Hartz IV habe unzumutbare Arbeit zumutbar gemacht: »Die Folge sind Dumpinglöhne und Millionen Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können. Das kann sich eine Demokratie auf Dauer nicht leisten.«

Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit Niedriglohn unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland stark. Mecklenburg-Vorpommern mit 37,9 Prozent, Thüringen mit 35,2 Prozent, Sachsen und Brandenburg mit jeweils 35,1 Prozent sowie Sachsen-Anhalt mit 34,6 Prozent liegen oberhalb des ostdeutschen Durchschnittswerts, Berlin mit »nur« 21,5 Prozent darunter.

Besonders stark betroffen sind Frauen. Bei Arbeiterinnen mit Vollzeitjob beträgt der Niedriglohnanteil 26,5 Prozent, bei Männern sind es 19,3 Prozent. (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Clemens Messerschmid: Zahlen können nicht stimmen In dem Artikel (https://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=44305) ist was faul: 2. Absatz: »Bundesweit lag mit 19,3 Prozent fast jedes fünfte Vollzeiteinkommen unterhalb dies...
  • Norbert Kozicki: Gewerkschaften gefordert Kleine Ergänzung: Die unter 25jährigen sind zu 40 Prozent betroffen. Und eine weitere Ergänzung zur Kollegin Ferschl: Da gibt es noch Gewerkschaften, die solche Tarifverträge unterschreiben. Die oppor...