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Aus: Ausgabe vom 15.07.2019, Seite 10 / Feuilleton
Sommerloch

Am Boden des Biersees

Dieser Sommer ist selbst zum Saufen zu öde: Nur die SPD stemmt sich gegen die Langeweile
Von Pierre Deason-Tomory
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Doppelt oder einfältig: Die SPD garantiert Kopfschmerzen

Nichts los im Fernsehen. Nichts los überhaupt. Sogar die Erderwärmung schwächelt. Die Baumärkte bleiben auf ihren Ventilatoren sitzen, die Wirtschaften sind klamm und leer, keiner säuft, statt der Hochsee tritt der Biersee über die Ufer. Das ist schlecht für die Ökonomie. Die Konjunkturaussichten trüben sich ein auf starke Bewölkung mit Nieselregen wie nach einem Ausscheiden in der WM-Vorrunde. Der für so was zuständige Jogi wird derweil trotz seiner Qualitäten nicht zum EU-Teamchef ernannt. Statt dessen eine andere deutsche Knallcharge.

Die Achse des Guten – Orban, Luzifer und Macron – hat eine deutsche Beratungsfirmenagentin an die Spitze der EU-Kommission geputscht, um das normative Projekt des Westens zu retten. Bambule? Live im TV? Nüscht. Auch der bayerische Weber-Aufstand bleibt aus. Kein Wunder, dass die Einschaltquoten für den Eurovision Commission Contest einbrechen, so was passiert nicht vonderleyen.

Protestiert haben immerhin die Grünen und die SPD. Lasst uns nicht über die Grünen reden. Zu langweilig, seit die sich ihr Spitzenpersonal von der Stange kaufen und Claudia Roth in einem Keller festgehalten wird und betroffenheitsfrei hat. Aber die Sozis machen Hoffnung auf hochsommerliche Unterhaltung.

Sie suchen nach einer neuen Führung, doppelt oder einfältig, die die dreiköpfige ablösen soll, die die Einzigartige als SPD-Vorsitzende abgelöst hat, die zuvor den Nachfolger vom Dicken mit der Groko im Gewande hinterrücks erstach. Und den Dicken gleich noch mit abservierte, der seitdem schlanker ist, weil er unter Sprechdurchfall leidet.

Das könnte eine schöne Sommerlochserie auf Netflix werden. Cliffhänger: Wer wird der nächste auf dem Throne of Torture nach dem Erzengel, dem Gottkanzler und der Walküre? Ein Klabauterbach? Was soll man sonst gucken? Solange es auf der Arte-­Mediathek noch nicht die Oktoberrevolution in Farbe gibt.

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