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Aus: Ausgabe vom 18.06.2019, Seite 16 / Sport
Basketball

Sport ist oft Kopfsache

Im Finale der deutschen Basketballmeisterschaft duellieren sich abermals Bayern München und Alba Berlin
Von Oliver Rast
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Block mich doch: Peyton Siva (Alba Berlin) im Zweikampf mit Maodo Lô (Bayern München) im Finale (erster Spieltag)

Fußballer, Handballer, Volleyballer – die beliebtesten Ballsportler hierzulande haben ihre Meister längst gekürt und machen Ferien. Mit Ausnahme der Basketballer. Die spielen in der Best-of-five-Serie aktuell ihren saisonalen Titelträger aus. Am Sonntag ging das erste finale Duell zwischen der Basketballabteilung von Bayern München und Alba Berlin übers Parkett. Die Bayern siegten knapp und führen mit 1:0.

Die Endspielpaarung, eine Neuauflage des Vorjahresfinales, ist keine große Überraschung, gelten die Partien der Bayern gegen die Berliner doch als »neuer Klassiker« der Basketballbundesliga (BBL). Oder wie es Stefan Holz, BBL-Geschäftsführer, gegenüber dem Tagesspiegel in der Sonntagausgabe sagte: »Wir haben zwei große Marken im Finale.«

In der Hauptrunde der Saison gewann Bayern daheim (83:81) und auswärts (85:75) gegen Alba. Im Endklassement wurden die Bayern nach 34 Spieltagen mit 62:6 Punkten souverän Erste, die Albatrosse mit 54:14 Punkten Dritte. Dazwischen plazierten sich die Baskets Oldenburg (56:12).

Im Viertel- und Halbfinale der Play-offs ließ Alba gegen Ulm und Oldenburg nichts anbrennen, siegte jeweils glatt mit 3:0. Standesgemäß rauschten die Bayern ohne Niederlage gegen Braunschweig und den erfolgreichen Aufsteiger aus Vechta durch die Runden der letzten acht und vier.

Zum Finalauftakt: Center Landry Nnoko sorgte mit zwei spektakulären Dunks für die rasche 11:0-Führung der Albatrosse. Nach dem zweiten Viertel ging Alba mit 37:36 in die Halbzeitpause. 51:50 hieß es nach dem dritten Viertel für die Bayern – »eine echte Defensivschlacht«, twitterte es über den Alba-Account. Albas Point Guard Peyton Siva warf mit elf Punkten in Folge zu Beginn des Schlussviertels sein Team in Führung. Gut eine Minute noch auf der Anzeigentafel. 70:69 für Alba. Zwei umstrittene Pfiffe der Schiedsrichter gegen Alba, das fünfte Foul gegen Siva und ein technisches Foul gegen Nnoko, bevorteilten die Platzherren. Die drehten auf und entschieden Spiel eins der Finalrunde mit 74:70 für sich.

Siva bei Magentasport: »Diese Niederlage tut weh. Wir hatten zu viele Ballverluste, das müssen wir zu Hause besser machen. Da heißt es zu gewinnen, danach versuchen wir es in München wieder.« Und die Kurzanalyse des Matches der Bayern? »Am Ende ist der Sieg das Wichtigste«, sagte Bayerns Shooting Guard Nihad Djedovic, der es als bester Münchner Werfer auf 18 Punkte brachte, bei Magentasport: »Wir haben sehr schwer ins Spiel reingefunden, uns dann aber reingearbeitet.« Die 1:0-Führung in der Finalserie bedeute noch »überhaupt nichts, wir haben es schon wieder vergessen«.

Die Statistik spricht gegen Alba. Fünfmal traf Alba bislang in den Bundesliga-Play-offs auf die Bayern, alle Serien gingen verloren, zuletzt vor einem Jahr im Finale. »Inwieweit sind bei den Berlinern die drei verlorenen Finals (BBL-Pokal 2018, BBL-Meisterschaft 2018, Eurocup 2019) also präsent?« fragte das Fachportal  basketball. de in seiner Finalvorschau.

Sport ist oft Kopfsache. Im Deutschlandfunk-Interview vor der Endspielrunde betonte Albas Kapitän Niels Giffey aber auch: »Jedes Jahr ist einfach anders, eine andere Situation. Im letzten Jahr hatten wir keinen konstanten Kader.« Das sei in dieser Spielzeit nicht so und mache einen großen Unterschied.

Trotzdem: Alba steht unter Zugzwang. Am Mittwoch abend müssen die Albatrosse beginnen, die Statistik zu korrigieren. Dann steigt das zweite Finalspiel in der Arena am Berliner Ostbahnhof. Am kommenden Sonntag geht es wieder nach München zum Duell drei. Sollte Alba in beiden Partien unterliegen, ist auch die Saison im deutschen Basketball zu Ende.

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