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Aus: Ausgabe vom 12.06.2019, Seite 2 / Ausland
Großbritannien

Zehn Nachfolger für May

Britische Konservative suchen neuen Parteichef. Letztes Wort hat die Basis
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Zerstrittene Tories am 29. März 2019 im Unterhaus

Nach dem Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May als Chefin der konservativen Partei bewerben sich zehn Kandidaten um ihre Nachfolge, unter ihnen der frühere Außenminister Boris Johnson, der gegenwärtige Amtsinhaber Jeremy Hunt, Umweltminister Michael Gove, Innenminister Sajid Javid, der frühere Brexit-Minister Dominic Raab, die ehemalige Arbeitsministerin Esther McVey sowie die von ihrem Amt zurückgetretene Beauftragte für Parlamentsangelegenheiten, Andrea Leadsom.

Jeder Kandidat hatte die Unterstützung von mindestens acht Abgeordneten vorweisen müssen. Die Zahl der Bewerber soll nun durch Voten innerhalb der Fraktion nach und nach auf zwei reduziert werden. Bei der ersten Abstimmung am Donnerstag scheiden alle Bewerber aus, die nicht mindestens 17 Stimmen erhalten. Weitere Runden sind in der kommenden Woche vorgesehen. Die letzten zwei Kandidaten müssen sich dann einer Stichwahl unter den rund 160.000 Parteimitgliedern stellen. Bis Ende Juli soll der Sieger feststehen und May auch an der Regierungsspitze ablösen.

Als Favorit gilt Johnson. Er provozierte bereits mit der Ankündigung, die vereinbarte Schlussrechnung für den EU-Ausstieg in Höhe von 39 Milliarden Pfund (rund 44 Milliarden Euro) vorerst zu stoppen. Dabei handelt es sich um langfristige Lasten wie Pensionszahlungen für EU-Beamte. Johnson sagte der Sunday Times, er werde das Geld so lange nicht bezahlen, bis es bessere Bedingungen und »mehr Klarheit« gebe. In Brüssel stieß die Drohung umgehend auf Protest: »Das schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit Großbritanniens als internationaler Partner, sondern ist absolut inakzeptabel«, twitterte der Brexit-Beauftragte des EU-Parlaments, Guy Verhofstadt.

May hatte am vergangenen Freitag ihr Amt als Parteichefin aufgegeben. Ihr war es nicht gelungen, das Parlament oder auch nur ihre eigene Partei auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen. Dreimal hatte das Unterhaus ihren mit Brüssel ausgehandelten Deal für den EU-Austritt durchfallen lassen. Die konservative Tageszeitung The Times warnte am Dienstag, die neue Führung müsse »aus der Brexit-Sackgasse« herauskommen. Ein Scheitern könne »zur Vernichtung der Tories durch Nigel Farages Brexit-Partei und zur Aussicht auf eine weit links stehende Labour-Regierung unter Jeremy Corbyn führen«. (dpa/Reuters/jW)

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