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Aus: Ausgabe vom 25.05.2019, Seite 1 / Inland
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Rückzug vorverlegt

Wagenknecht will schon im Juni als Linke-Fraktionschefin aufhören
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Sahra Wagenknecht auf dem Weg zu einer Fraktionssitzung (Archivbild, März 2019)

Sahra Wagenknecht könnte sich nach Parteiangaben früher als geplant von ihrem Amt als Kovorsitzende der Linksfraktion im Bundestag zurückziehen. »Die beiden Vorsitzenden streben noch vor der Sommerpause an, den Fraktionsvorstand neu zu wählen«, sagte Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte nach einem Bericht der Taz vom Freitag. Ursprünglich war die Neuwahl erst für den Herbst geplant. Wagenknecht hatte im März angekündigt, dass sie nicht wieder für die Linke-Fraktionsspitze kandidieren wolle. Die Zeitung schrieb, die neue Fraktionsspitze solle nun in der letzten Sitzungswoche des Bundestages vor der Sommerpause gewählt werden. Das wäre die Woche vom 24. bis zum 28. Juni.

Am 16. Juli wird Sahra Wagenknecht 50 Jahre alt. Nach längerem innerparteilichen Streit um die von ihr mitgegründete Sammlungsbewegung »Aufstehen« und einer mehrwöchigen Erkrankung Anfang des Jahres hatte sie als Grund für ihren Rückzug angegeben, in Zukunft stärker auf ihre Gesundheit achten und Stress vermeiden zu wollen. Ihr Mandat im Bundestag will Wagenknecht aber behalten. Zur Zeit führt sie die Fraktion noch in einer Doppelspitze mit Dietmar Bartsch. Der könnte nach Ansicht von Exfraktionschef Gregor Gysi vorübergehend auch alleine die Führung übernehmen. Beim Parteitag im nächsten Jahr könnten dann sowohl die Partei- als auch die Fraktionsspitze neu besetzt werden, hatte Gysi ebenfalls in der Taz gesagt. »Für ein Jahr kann er das gut alleine machen, später zusammen mit einer Frau«, so Gysi. Die Partei wird seit 2012 von der Doppelspitze Katja Kipping und Bernd Riexinger geführt. Beide sind im kommenden Jahr seit acht Jahren Parteichefs – die Satzung empfiehlt, dass sie dann nicht erneut als solche kandidieren. Kipping hatte aber im März gegenüber der Welt betont, dies sei »eine Sollte-Regelung, keine Muss-Regelung«. Nach der Europawahl würden sich »Fraktions- und Parteispitze zusammensetzen und darüber reden, wie die Partei in Zukunft aufgestellt sein muss«. Vorher wollte Kipping sich auch nicht dazu äußern, ob sie Wagenknechts Platz an der Fraktionsspitze einnehmen wolle. (dpa/jW)