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Aus: Ausgabe vom 15.05.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Hauptversammlung

VW wirft »Ballast« ab

Konzern will Tausende Mitarbeiter entlassen. Batteriefabrik in Salzgitter geplant
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Herbert Diess (l.), Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, und Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrates (14.5.2019)

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Herbert Diess, drückt beim Umbau des Wolfsburger Konzerns aufs Tempo. Das Unternehmen kämpfe an einigen Stellen noch mit schwerfälligen Strukturen, komplexen Prozessen und hohen Kosten, sagte Diess am Dienstag auf der Hauptversammlung in Berlin. »Hier gibt es viel zu tun. Großen Ballast können wir uns auf Dauer nicht leisten.« Deshalb mache er persönlich Tempo bei der Transformationen des Unternehmens in einen Anbieter von Elektromobilität, selbstfahrenden Autos und neuen Mobilitätsdiensten. »Wir überprüfen, ob wir noch der beste Eigentümer für die unterschiedlichen Geschäfte sind«, sagte Diess laut Redetext.

Volkswagen will die Kosten bis 2023 um weitere knapp sechs Milliarden Euro drücken, um die Rendite zu steigern und Investitionen in die Elektromobilität zu stecken. In der Verwaltung sollen bis zu 7.000 Stellen durch Altersteilzeit wegfallen. Gleichzeitig soll die Produktivität der Werke weiter gesteigert werden.

Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh erwartet eine baldige Einigung mit der Geschäftsleitung über das geplante Kürzungsprogramm. Die Gespräche liefen gut, teilte Osterloh am Dienstag in einem Brief an die Belegschaft mit. »Ich bin überzeugt, dass wir hier noch im Mai ein Ergebnis vermelden können«, fügte er hinzu. Für die Umsetzung des im März verkündeten Kürzungsprogramms hatte der Betriebsrat einige Bedingungen gestellt, unter anderem den Ausbau von Altersteilzeit, Qualifizierung der Mitarbeiter und eine Fortschreibung der Beschäftigungssicherung.

Für den geplanten Einstieg in die Batteriezellfertigung müssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, so Osterloh. »Das hängt vor allem davon ab, ob eine solche Zellfabrik als stromintensiver Betrieb von der EEG-Umlage befreit werden wird und wie sich die Verfügbarkeit von grünem Strom aus erneuerbaren Quellen gestaltet.« Das sei ein klarer Auftrag an die Politik. »Energiewende und Elektromobilität dürfen nicht nur in Sonntagsreden gefordert werden.« Die Gewerkschaft hatte sich lange für eine eigene Zellfertigung im Konzern eingesetzt. Volkswagen will dafür knapp eine Milliarde Euro Investitionssumme bereitstellen.

Die Lkw-Sparte mit den beiden Herstellern MAN und Scania soll möglichst noch vor der Sommerpause an die Börse gehen. Für die Großmotorentochter MAN Energy Solutions und den Getriebehersteller Renk werde nach Lösungen gesucht, wobei auch ein Verkauf möglich ist. Ferner steigt Volkswagen in eine eigene Batteriezellfertigung am Standort Salzgitter ein. Für knapp eine Milliarde Euro soll dort eine Fabrik entstehen, die anfangs rund 700 Mitarbeiter beschäftigt.

Als weiteres Großprojekt beschloss der Aufsichtsrat am Vorabend der Hauptversammlung den Einstieg in konkrete Verhandlungen über den Standort für ein neues Werk in Europa. Insidern zufolge kommen dafür Bulgarien und die Türkei in Frage. Gegen ein solches Vorhaben hatte sich der Betriebsrat gesperrt, solange Audi in Ingolstadt und VW in Wolfsburg nicht ausgelastet sind. Deshalb wird die Zusage für eine Batteriezellfertigung in Niedersachsen als Zugeständnis an die Beschäftigtenvertretung und die IG Metall gewertet. Auch Niedersachsen hatte sich als zweitgrößter VW-Eigner für eine Batteriezellfertigung in dem Bundesland eingesetzt. (dpa/Reuters/jW)

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