Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Aus: Ausgabe vom 11.05.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Unglaublicher Skandal

Zu jW vom 8.5.: »›In Auseinandersetzung der Klassen nimmt Gewalt zu‹«

Hier hat anscheinend eine psychiatrische Fachklinik eine ihrer Kernaufgaben, den Umgang mit psychisch gestörten Patienten in besonders schwierigen Situationen, ausgelagert und an ein Subunternehmen übergeben. Sicher hat es sich für die Klinik »ökonomisch gerechnet«, diese Aufgabe statt von psychiatrisch geschultem Personal der eigenen Einrichtung von einem Fremdunternehmen mit gering qualifizierten und schlecht bezahlten Mitarbeitern verrichten zu lassen, die in erster Linie auf die Abwehr von Gewalttaten spezialisiert sind. Das wäre in der Tat ein unglaublicher Skandal, der jedoch in einer neoliberal geprägten Gesellschaft kaum noch jemand besonders aufregt – einer Gesellschaft, in der infolge der Agendapolitik das Subunternehmerunwesen seine Blüten treibt und die ein Gesundheitswesen hervorgebracht hat, bei dem das Patientenwohl gegenüber ökonomischen Kennziffern immer mehr in den Hintergrund tritt. Interessieren würde mich, wie die Kolleginnen und Kollegen der Einrichtung diesen Vorgang beurteilen. Gibt es Widerstand des Fachpersonals, gibt es gewerkschaftliche Strukturen und Betriebsräte, die dem unverantwortlichen Handeln der Einrichtungsleitung entgegentreten?

Bernd Rautenberg, psychologischer Psychotherapeut, Oldenburg

Ohne Mühe

Zu jW vom 6.5.: »Verzwergt und verhunzt«

Da hat der Ostbeauftragte ganz recht, was die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West beispielsweise bei der Gesundheitsversorgung betrifft. Warum sollten Ossis auf dem Lande heute noch in den Genuss von ärztlichen Sprechstunden selbst in kleinen Gemeinden kommen, wo das doch im Westen noch nie durchgängig üblich war? Da kann man ohne große Mühe angleichen!

Christel Harke, Aschersleben (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Völkerverbindend

Zu jW vom 4./5.5.: »›Marx und Engels erklären mir, was heute passiert‹«

Über diesen Artikel habe ich mich sehr gefreut. »Die Anti-AKW-Bewegung war eine singende Bewegung«, sagt Aernschd Born. So war es in der Tat! Ich hörte Born vor dem Haupteingang des AKWs Fessenheim, des ältesten AKWs Frankreichs, zur Gitarre sein »Informationslied« »Ballade vo Kaiseraugscht« singen vor uns Umweltschützern. Als weitere Zuhörer waren grimmig dreinblickende Männer der berüchtigten CRS-Truppe zum Schutz der beiden Atommeiler dabei, und Wachhunde bellten hinterm Stacheldraht zum Gesang. Wir Südbadener waren auch bei der erfolgreichen Besetzung des Schweizer AKW-Bauplatzes in Kaiseraugst bei Basel dabei, dem Born die »Ballade« gewidmet hatte. Bei dem Kampf in unserer Region gegen umweltfeindliche Industrieprojekte spielten unzählige Kampflieder zahlreicher Liedermacher eine wichtige Rolle. Sie machten Mut, trugen zur Aufklärung bei und brachten musikalisch die Stimmung der Menschen, die sich engagierten, zum Ausdruck. Und sie wirkten völkerverbindend, ganz besonders zwischen uns Deutschen und unseren französischen Nachbarn. Zum Beispiel Walter Mossmann, im Original alemannisch: »Komm rüber in den Wyhler Wald, komm über die Brücke. Wir trinken im Freundschaftshaus noch einen Schluck. (…) Wir schwätzen und besetzen und geh’n nicht in die Knie. Im letzten Jahr hast du noch gedacht, die Deutschen sind verkehrt, die kommen mit Kanonen nach Strasbourg und nach Metz. (…) Heute ist’s wie verwandelt, wir haben angebandelt, wir kämpfen miteinander fürs Leben. Beim Kämpfen haben wir gelernt, dass das Volk zusammengehört. Sonst verrecken hier nicht nur die Reben.« (…)

Ernst-Udo Kaufmann, Müllheim/Südbaden

Kühnert hat recht

Zu jW vom 3.5.: »Kevin allein zu Haus«

Der Klimawandel beruht auf einer Überausbeutung der Natur, die auf systemische Reproduktionserfordernisse und Selbstregulationsfähigkeiten der Ökosysteme ebensowenig Rücksicht genommen hat wie auf die Eigenproduktivität der Natur, deren systematische Beachtung uns viele Umwege und Technisierungen erspart hätte, wenn wir sie frühzeitig, z. B. seit den ersten Warnungen von Alexander von Humboldt vor den Abholzungen oder von vielen anderen Naturforschern im Laufe des 19. Jahrhunderts, ernst genommen hätten. Gegen alle Warnungen ist eine von fossilen Energieträgern angetriebene Beschleunigung der gesellschaftlichen Entwicklung entstanden, die bis heute viele Milliarden Gewinne jährlich auf die Konten der erdöl- sowie mobilitäts-, rüstungs- und landwirtschaftsbezogenen Weltkonzerne befördert. Der Klimawandel ist deren Produkt, und daher ist Kevin Kühnerts Forderung nach Vergesellschaftung von Eigentum nicht nur auf den Wohnungsmarkt zu beziehen, sondern vor allem auf den Klimawandel. Die Profiteure des Klimawandels sollten auch für seine Eindämmung bezahlen: also Vergesellschaftung des Eigentums aller fossile Energie in die Welt setzenden und darauf abgestimmten Branchen zur Finanzierung der klimapolitischen Umsteuerung. Denn vor allem der »Reichtum«, der durch die Überausbeutung der Natur entstanden ist, sollte für Maßnahmen gegen den Klimawandel herangezogen werden! Vergesellschaftung des Kapitals von Nutznießern des Klimawandels wäre eine höchst dringliche und sinnvolle Forderung der Linken, um zu den Problemen der Zeit, Klimawandel und Umweltzerstörung, aufzuschließen. Z. B. im Falle Mosambiks: Obwohl von entfesselten Orkanen, die dem Klimawandel geschuldet sind, heimgesucht, setzt das Land auf Erdöl und Kohle, um die benötigte Energie bereitzustellen, weil sie zu Wind- und Solarenergie keinen Zugang haben. Welch ein absurdes Spektakel: Viele Hunderte Millionen Euro stehen für die Wiederherstellung der Notre-Dame zur Verfügung, aber nur »Peanuts« für die Katastrophe in Mosambik! Das ist Europa derzeit, ein Kontinent, der offenbar keine Hilfe sein will für die Armen und im Kampf gegen den Klimawandel – eine entgleiste Staatengemeinschaft, die im Krieg um Ressourcen mehr Zukunft sieht als im Übergang zur Hilfe für andere und in der Rückkehr zur Natur- und Klimaverträglichkeit.

Hans Wöcherl, per E-Mail

Hunderte Millionen Euro stehen für Notre-Dame zur Verfügung, aber nur »Peanuts« für die Katastrophe in Mosambik! Das ist Europa derzeit.