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Aus: Ausgabe vom 26.04.2019, Seite 5 / Inland
gleiche Bezahlung

Zähe Verhandlungen

Chefetage der Uniklinik Dresden mauert in Streit um Tarifvertrag
Von Steve Hollasky
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Azubis in der Physiotherapie am UKD erhalten immer noch keine Ausbildungsvergütung. Kundgebung im Rahmen der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst am 8.2.2017 in Dresden)

Begleitet von einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert von 120 Beschäftigten haben sich am Mittwoch die Vertreter der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und der Kapitalseite am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden (UKD) zu Tarifverhandlungen getroffen. Der hörbare Unmut der Angestellten ist eine Reaktion auf die Haltung der Krankenhausleitung, die auch nach inzwischen fünf Beratungsrunden nicht zu einem Abschluss für die etwa 7.000 Pflegekräfte des UKD bereit zu sein scheint.

Bislang werden diese nach geltendem Haustarifvertrag etwa zehn Prozent schlechter entlohnt als Kolleginnen und Kollegen anderer Unikliniken, die nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) bezahlt werden. Diese Einkommenslücke will Verdi nun schließen und fordert eine Entgeltregelung in Anlehnung an den TV-L.

Dass der Vorstand des UKD nicht bereit ist, darauf einzugehen, macht viele Beschäftigte zusehends sauer. »Anscheinend braucht der Vorstand Druck«, erklärte eine Krankenschwester denn auch auf die Frage von junge Welt, weshalb sie sich an der Protestaktion beteiligt. Mit dieser Meinung steht die Kollegin bei weitem nicht allein da. Denn die Bezahlung ist längst nicht mehr der einzige Stein des Anstoßes. So erklärten zwei andere Krankenpfleger gegenüber jW am Mittwoch, sie demonstrierten vor allem auch deshalb, weil die Stationen unterbesetzt seien. Zwar ist die Frage der Entlastung nicht Teil der aktuellen Tarifverhandlungen am UKD, allerdings protestieren Beschäftigte in der Pflege bundesweit bereits seit mehreren Jahren gegen die ständige Überlastungssituation auf den Stationen.

Von der regen Beteiligung an der aktiven Mittagspause zeigten sich im Gespräch mit jW auch Mitglieder der Verdi-Betriebsgruppe überrascht. Erst am Donnerstag vor Ostern sei der Verhandlungstermin bekanntgewesen, gab Christoph Wolf zu Protokoll. Entsprechend eingeschränkt seien über die Feiertage die Möglichkeiten zur Mobilisierung gewesen.

Diesen Erfolg hob auch Wolfgang Pieper, Verdi-Verhandlungsführer im UKD und Mitglied des Bundesvorstands der Gewerkschaft, in seiner kurzen Rede vor den protestierenden Pflegekräften hervor. An die überwiegend jugendlichen Beschäftigten gerichtet versprach er einen »Tarifvertrag für die Azubis in der Physiotherapie rückwirkend zu Januar« durchzusetzen. Den wolle aber die Chefetage des UKD nicht.

Anders als in vielen anderen Kliniken erhalten die Azubis in der Physiotherapie am UKD nach wie vor keine Ausbildungsvergütung, was diese auf die Barrikaden treibt. Im jW-Gespräch schilderten Laura und Franziska ihre Situation mit drastischen Worten: »Wir werden nicht wertgeschätzt, obwohl wir einen Vollzeitjob machen.« Das Krankenhaus profitiere von der Arbeit der Physiotherapeutinnen und -therapeuten. »Pflegekräfte und Ärzte sind auch auf uns angewiesen«. Die schulische Ausbildung stehe der anderer Pflegekräfte in nichts nach, dennoch werde man – anders als diese – nicht bezahlt. Zusammen mit anderen Physiotherapeuten in der Ausbildung hatten sie sich folglich um ein selbstgemaltes Transparent mit der Aufschrift »Schluss mit unbezahlt« versammelt.

Trotz der vorangegangenen Treffen zwischen den Tarifparteien und dem großen Unmut im UKD war die Arbeitgeberseite auch nach zehn Stunden Verhandlungen am Mittwoch nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit. Die Gespräche wurden, ohne Angabe eines neuen Termins, vertagt.

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