Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Donnerstag, 23. Mai 2019, Nr. 118
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 20.04.2019, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
Aktiv werden!

»Der Krieg ist der größte Klimakiller«

Gespräch mit Laura von Wimmersperg. Über die Friedensbewegung, den NATO-Angriff auf Jugoslawien, »Fridays for Future« und wie man sein Zuhause findet
Interview: Markus Bernhardt
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»Antifaschismus und Friedensarbeit gehören zusammen«: Protestzug unter dem Motto »Krieg ist Terror – damit muss Schluss sein!« in Berlin im März 2016

Sie gelten als Grande Dame der Berliner Friedensbewegung. Welche Stationen haben Sie besonders geprägt?

Ich bin seit den 1980er Jahren aktiv. In Berlin waren wir die erste Friedensinitiative. Gemeinsam mit dem 2012 verstorbenen deutsch-jüdischen Journalisten und antifaschistischen Widerstandskämpfer Fritz Teppich (1918-2012, jW) sowie der 1989 verstorbenen Schriftstellerin Dinah Nelken haben wir uns damals im Bezirk Wilmersdorf getroffen, um uns für den Frieden und die Abrüstung stark zu machen. Dinah Nelken hat später die Initiative »Künstler für den Frieden« gegründet. Ich hatte im November 1979, vor unserer Gründung als Friedenskoordination (Friko), die Vorbereitung einer antifaschistischen Woche bei uns in der Schule angeregt und geleitet. Das war ein tolles Projekt, weil sich Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen einbrachten. Als am 12. Dezember 1979 der NATO-Doppelbeschluss verabschiedet wurde, der die Aufstellung neuer mit Atomsprengköpfen bestückter Raketen vorsah, war ich so empört, dass ich mich mit Dinah und den anderen getroffen habe. Sie hat damals vorgeschlagen, dass wir uns zu einer Gruppe zusammenschließen. Ich fand das wichtig und bin dann gleich dabei gewesen.

Was waren damals die politischen Ziele?

Wir hatten von Anfang an drei Schwerpunkte. Wir haben uns gegen den Stationierungsbeschluss und die damit verbundene Raketenaufstellung engagiert, für den Antifaschismus und für Solidarität mit der sogenannten Dritten Welt stark gemacht. Wir haben im Mai 1980 unsere Aktivitäten aufgenommen. Im Januar 1981 wollten wir als Gruppe etwas zum Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht machen. Denn in der Mannheimer Straße in Wilmersdorf steht dieses Haus, aus dem die beiden damals von den Freikorps verschleppt worden waren. Da an dem besagten Ort nichts an das historische Ereignis erinnerte, hatten wir uns zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Aber das war nicht so einfach. Als wir eine provisorische Gedenktafel anbringen wollten, kam der Hausmeister, bewaffnet mit einer Axt, um uns zu vertreiben. Eine Tafel durfte schließlich nie an dem Haus angebracht werden, aber wir erreichten nach langem Kampf, dass auf dem Straßengelände vor dem Haus an Rosa und Karl erinnert wird. Antifaschismus und Friedensarbeit gehören zusammen.

Jetzt organisieren Sie an führender Stelle die Luxemburg-Liebknecht-Demonstration und eine Ehrung für die beiden Revolutionäre am Landwehrkanal. Was kann man heutzutage von Rosa lernen?

Zum einen, wie sehr sie das Leben geliebt hat. Beispielhaft sind ihre Liebe zur Natur und die unglaubliche Vielfältigkeit ihrer Persönlichkeit. Sie hat sich nicht beschränkt auf eine Sache. Das ist eine ganz wichtige Basis, auch in der Friedensarbeit. Also, dass man weiß, warum man diese Arbeit macht. Dass man nicht zu engstirnig politisch aktiv ist, sondern weiß, dass das eine Arbeit ist, die dem Leben in all seiner Vielfältigkeit gilt.

Sie haben bereits erwähnt, welche Punkte Ihnen in Ihrem bisherigen politischen Leben wichtig waren. Wenn Sie heute die Schülerinnen und Schüler sehen, die zu Zehntausenden bei »Fridays for future« für den Umweltschutz auf die Straße gehen, was löst das in Ihnen aus?

Ich begrüße das sehr! Ich finde das Engagement großartig. Ich habe mir die Proteste in Berlin angesehen und bin begeistert, dass so viele junge Menschen mit so vielen guten Ideen und Aussagen die Sache selbst in die Hand nehmen, für den Schutz der Umwelt auf die Straße gehen. Ich plädiere dafür, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, weil bei ihren Protesten das Thema Frieden nicht vorkommt.

Gehören Friedensarbeit und Umweltschutz denn zusammen?

Na selbstverständlich! Der Krieg ist der größte Klimakiller. Ich hatte schon damals, bevor ich 1979/80 richtig mit der Friedensarbeit anfing, bei meinen Schülern festgestellt – ich habe immer in der Sekundarstufe eins, also siebte bis zehnte Klasse an der Hauptschule unterrichtet –, dass die Schülerinnen und Schüler viel besorgter über die Umweltprobleme diskutierten als über Friedensfragen. Viel wichtiger waren für sie die Natur und der Kampf gegen Waldsterben und später gegen die Atomkraft. Ich habe damals immer zu erklären versucht, dass die Sorge um die Umwelt und die Sorge um den Erhalt des Friedens zusammengehören. Aber die jungen Menschen fühlen da anders, das musste ich damals schon akzeptieren.

Wie erklärt sich das? Schließlich ist es doch nur logisch, dass ein Krieg die Umwelt am meisten schädigt …

Das ist vielleicht zu abstrakt. Vielleicht verschließen die Menschen deshalb in dieser Frage oft ihre Augen. Der Kampf für eine intakte Natur ist offenbar für viele Menschen greifbarer.

Große Mobilisierungserfolge konnte die Friko anlässlich der Proteste gegen den Irak-Krieg und den Angriff auf Jugoslawien erreichen, letzterer jährt sich zum 20. Mal. Schmerzt es Sie, dass viele Schüler, die heute bei »Fridays for future« engagiert sind, sich wieder zu Bündnis 90/Die Grünen hingezogen fühlen, die den Jugoslawien-Krieg damals in der Regierungszeit mit der SPD mitgetragen, mit dem damaligen Bundesaußenminister Joseph Fischer sogar befördert haben?

Das schmerzt schon, aber man muss auch realistisch bleiben. Wir, als verhältnismäßig kleine Bewegung müssen uns auf grundsätzliche Fragen der Friedenserhaltung konzentrieren. Fritz Teppich hat um 1990 einmal bei uns in der Friko gesagt, dass unsere Aufgabe darin bestünde, »die Glut über die Zeit zu tragen«. Womit er wohl meinte, dass das Feuer, wenn es nötig ist, wieder auflodern kann, ohne es erst wieder mühsam entfachen zu müssen. Darin sehe ich, sehen wir eine wichtige Aufgabe der Friko.

Man darf auch nicht immer gleich zuviel verlangen. Ich finde, allein dass die Schülerinnen und Schüler lernen, auf die Straße zu gehen, und ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen, ist doch ein wichtiger Schritt. Wir können versuchen, andere Aspekte an sie heranzutragen. Ob sie die annehmen wollen, liegt nicht bei uns.

Welche Erinnerung haben Sie persönlich an den größten Tabubruch der deutschen Nachkriegsgeschichte: Nämlich Krieg zu führen und dann noch ausgerechnet gegen Jugoslawien, welches während des Zweiten Weltkrieges schon unter den deutschen Faschisten gelitten hat?

Die Beteiligung Deutschlands am Krieg gegen Jugoslawien war ein unglaubliches Verbrechen! Wir haben in der Friko schon 1995 eine Konferenz anlässlich des 8. Mai, also dem Tag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus, organisiert. Dazu hatten wir u. a. einen Jugoslawen eingeladen, der aus der Stadt Kragujevac kam und der uns von dem Massaker der deutschen Faschisten in seiner Stadt berichtete. Die Nazis haben damals die Schüler eines Gymnasiums ermordet. Die Lehrer hätten weggehen und flüchten können, sind sie aber nicht. Damals sind mehrere hundert Schüler und fast 20 Lehrkräfte ermordet worden. Als Konsequenz aus dem Bericht unseres Gastes beschlossen wir, den Ort und die Menschen zu besuchen, und wir gründeten eine deutsch-serbische Freundschaftsgesellschaft. Dort haben sich Jugoslawen, keineswegs nur Serbinnen und Serben, gemeinsam mit uns Friko-Aktiven engagiert. 1997 sind wir nach Kragujevac gereist, und schon damals zeichnete sich die Kriegsgefahr ab. Schon damals warnte Fritz Teppich, die Zerschlagung Jugoslawiens sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg nach Südrussland. Es war also für uns ganz klar, dass wir uns engagieren. Am Vorabend des Bombardements auf Jugoslawien begannen wir, Jutta Kausch und ich, eine Mahnwache, mit der wir den ganzen Krieg über, 78 Tage lang gegen den NATO-Angriffskrieg und die führende Beteiligung Deutschlands am Krieg protestierten. Damals das Wunderbarste und zugleich auch das Bedrückendste waren die Begegnungen mit den aus Jugoslawien stammenden Menschen, vor allem den Frauen, die sich damals beteiligten. Viele ältere Frauen haben gesagt, dass die Teilnahme an unserer Mahnwache für sie die wichtigste Zeit des Tages gewesen sei. Sie sagten, dass sie bei uns Trost fänden. Und sie haben uns informiert über das, was sie in den Berichten aus ihrer Heimat bekommen hatten. Es wurde viel geweint und es gab auch viel Zorn. Wir informierten und diskutierten, hatten ein offenes Mikrofon. Die Berliner aber, die vorbei gingen, sahen weg. In der Zeit waren meine Gedanken oft bei denen, denen von einer Minute auf die andere ihr ganzes bisheriges Leben genommen wurde. Mit welchem Recht? Und ich denke noch heute mit großer Wärme an diese Mahnwachenabende und dieses solidarische Zusammenstehen gegen das Verbrechen dieses Krieges.

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Laura von Wimmersperg

Der damalige Außenminister Fischer hat 1999 auf dem Kriegsparteitag der Grünen in Bielefeld in seiner Rede betont: »Ich stehe auf zwei Grundsätzen, nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz, nie wieder Völkermord, nie wieder Faschismus. Beides gehört bei mir zusammen«. Damit relativierte er nicht nur den von Deutschen begangenen Massenmord an Jüdinnen und Juden, sondern setzte Gegner und Kritiker des Angriffskrieges gegen Jugoslawien mit Faschisten gleich. Wie sind Sie damals mit diesem ungeheuerlichen Vorwurf umgegangen?

Damals war die Stimmung sowieso schon sehr aufgeheizt, was natürlich viel mit der Kriegspropaganda der Herrschenden und der meisten Medien zu tun hatte. Ich habe auch Morddrohungen erhalten. Ich war und bin überzeugt davon, dass unsere Arbeit richtig und wichtig war und ist. Ich empfinde gegenüber den Politikern, für die dieser Krieg eine Art Deal war, den sie mit dem Wort »Verantwortung« verbrämten, tiefe Verachtung. Ich denke nur, wie dumm, wie armselig können manche Leute doch sein.

Bevor SPD und Bündnis 90/Die Grünen 1998 die Bundesregierung übernahmen und Gerhard Schröder seinen Vorgänger Helmut Kohl (CDU) ablöste, hatten viele Menschen, auch Linke, Hoffnungen in ein vermeintliches »rot-grünes Reformprojekt« gesteckt. Vor dem Regierungswechsel hatten Gewerkschaften, Linke vieler Couleur und auch Kommunisten die sogenannte »Erfurter Erklärung« unterstützt und gegen Kohl und seine Regierung mobilisiert. Hätten Sie es damals für möglich gehalten, dass das politische Kernprojekt der »rot-grünen« Regierung aus Krieg – und mit der Hartz-IV-Gesetzgebung – aus dem größten sozialen Kahlschlag der Nachkriegszeit bestehen würde?

Natürlich habe ich nicht gewusst, was auf uns zukommt. Aber schließlich habe ich mich nicht gewundert. Alle Ereignisse, die eine Art Verrat an den Grundsätzen unserer Verfassung darstellten, wie beispielsweise die Notstandsgesetze, die Berufsverbote, die Stationierung der Atomraketen oder eben der Krieg gegen Jugoslawien, konnten nur mit, nicht gegen die SPD durchgesetzt werden. Hätte die Regierung Kohl auch nur versucht, wieder Krieg zu führen oder einen solchen Sozialabbau wie Schröder durchzusetzen, SPD, Grüne und Gewerkschaften hätten dagegen auf der Straße mobil gemacht. Das alles wäre für Konservative in dieser Form niemals durchsetzbar gewesen.

Welches Verhältnis hatten Sie zur DDR?

In meiner persönlichen Geschichte hat die DDR anfangs nicht so eine große Rolle gespielt. Ich bin ein bisschen in der 1968er-Bewegung gewesen und hatte Freunde, die sehr links waren. Darunter auch Freunde, die ein sehr inniges Verhältnis zur Sowjetunion hatten. Man muss wissen, ich bin sehr unpolitisch aufgewachsen. Meine Mutter betonte immer, dass Politik ein sehr schmutziges Geschäft sei. In den 50er Jahren war ich in der Bündischen Jugend, und das waren zumeist ganz antibürgerliche Leute. Wir spielten alle Gitarre und sangen Lieder aus der internationalen Folklore, über russisches Liedgut bekam ich Zugang zur Sowjetunion. Ich bin dann später öfter dorthin gereist und habe die Sowjetunion, vor allem aber die Menschen dort, lieben gelernt.

Also war die 1968er-Bewegung auch prägend für Sie?

Ja. Im Laufe der Auseinandersetzungen mit den 68ern habe ich mich auch immer mehr für die DDR interessiert und bin auch nach Ostberlin gefahren. Ich habe mich damals nach und nach von meinen Vorurteilen gegenüber der DDR emanzipiert. Ich fand das Schulsystem in der DDR gerechter gegenüber unserer Dreiklassenbildung. Auch die vielzitierte Reisefreiheit traf zum Beispiel auf meine Schülerinnen und Schüler nicht zu. Sie konnten meist auch nicht verreisen. Einfach, weil ihre Eltern dafür kein Geld hatten.

Nun steht die 68er-Bewegung ja auch für »Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll«. Haben Sie das alles damals auch mitgenommen?

Nein, von dem Mann, mit dem ich jetzt wieder zusammen bin, der damals schon mal mein Freund war, habe ich mich genau aus diesen Gründen getrennt, dazu war ich damals viel zu verklemmt. Und ich habe nur ein einziges Mal gekifft, denn ich hatte vor Drogen immer viel Respekt und sicherlich auch Angst, mich fallen zu lassen.

Aber ich habe damals eine Psychoanalyse gemacht, wie es jeder gute 68er getan hat (lacht). Anfangs dachte ich, ich will das nicht, will nicht werden wie ein vom Meer glatt gewaschener Stein, ohne Ecken und Kanten. Nach der Analyse stellte ich fest, dass dieses Bild gar nicht stimmt. Dass ganz im Gegenteil erst durch die Analyse besondere Eigenheiten der Persönlichkeit sichtbar wurden, weil ich mutiger und offener geworden war und sie leben konnte. Es war, als wären mir Schleier von den Augen gefallen. Ich hatte keine Angst mehr vor Leuten, habe mich Problemen gestellt und habe mich aus meiner strengen Erziehung befreit. Mein persönlicher Freiheitsdrang hat sich jedoch schon durch die Pfadfinderbewegung entwickelt. Wir fuhren per Anhalter durch ganz Europa, wir musizierten zusammen, schrieben Gedichte und Märchen, ich begann zu malen. Das war auch eine sehr wichtige Phase für mich.

Negative Ereignisse und Erfahrungen haben mich letztlich immer weitergebracht. Das waren für mich rückblickend alles Entwicklungsschritte. Ich hatte in meinem Leben dreimal Tuberkulose mit sehr langen Krankenhausaufenthalten. Mein Vater war 1946 daran gestorben und lag acht Tage lang tot bei uns zu Hause. Ich habe ihm damals immer Gänseblümchen in die Hand gelegt und habe mich dabei angesteckt. Aber immer habe ich Menschen gehabt, die mir zur Seite standen, durch die ich an Neues herangeführt worden bin, durch die ich Impulse und Denkanstöße bekam, so dass eineinhalb Jahre Krankenhaus keine verlorene Zeit waren.

Wenn Sie zurückschauen auf Ihr bewegtes Leben, aber auch den Preis, den Sie zahlen müssen – als Dankeschön haben Sie oft Hass, Hetze und Häme geerntet –, geht das spurlos an Ihnen vorüber?

Es gibt einige Situationen, bei denen mir auch mal die Tränen kommen. Aber mehr noch wächst in mir Zorn. Zum Beispiel aktuell darüber, wie mit Julian Assange umgegangen wird. Dass er für Ecuador zu einem guten Deal wird, der ihn das Leben kosten kann, und die Welt schreit nicht auf. Der Mann gehört umgehend freigelassen und sollte den Friedensnobelpreis bekommen. Auch, dass die Friedensbewegung so eine kleine Bewegung geworden ist, ficht mich nur selten an. Wir erhalten viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Mich hat einmal eine Frau auf der Straße erkannt und mich gefragt, ob sie mich umarmen darf. Das sind unbeschreibliche Momente. Ich bekomme viel zurück für unsere Friedensarbeit – persönliche Zuwendung, Freundlichkeit, Solidarität. Aber entscheidend ist für mich, nicht tatenlos zuzusehen, und das kleine bisschen, das ein Mensch tun kann, so unbedeutend es ist, eben zu tun. Ich bin überzeugt von meinem Handeln. Aber ich habe auch keine Illusionen.

Ohne ketzerisch zu sein: Ihre politischen Projekte sind doch mehrheitlich gescheitert – Deutschland führt Krieg, die Kriegsgefahr steigt weltweit. Die extreme Rechte erstarkt ebenfalls, und die Friedensbewegung ist klein. Verzweifeln Sie da nicht?

Ja, Sie haben recht. Die naheliegende Zukunft sieht nicht gut aus. Der Weg zu Veränderung ist weit, sehr weit, aber genau darum dürfen wir nicht verzweifeln. Gehen wir ihn, dann werden wir sehen. Jedenfalls möchte ich nicht auf der falschen Seite stehen. Und vielleicht das noch: Ich habe immer gesagt, ich fühle mich als Weltbürgerin. Ich hatte nie das Bedürfnis, mich zu verorten. Seitdem ich in der Friedensbewegung arbeite, in dieser Stadt, und so viele Orte mit unserem Engagement, unseren Aktivitäten verbinde, viele, viele großartige Menschen kenne, seitdem hat sich mehr und mehr das Gefühl eingestellt, hier bin ich zu Hause. Als mir das bewusst wurde, war ich zuerst erstaunt, jetzt finde ich es schön. Und das verdanke ich der Arbeit in der Friedensbewegung.

Laura von Wimmersperg ist Moderatorin der Berliner Friedenskoordination (Friko). Sie engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten in der Friedensbewegung, und hat sie in Berlin maßgeblich beeinflusst. 2014 erhielt sie den Menschenrechtspreis der »Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e. V.«. Laura von Wimmersperg organisiert Jahr für Jahr viele kleinere Kundgebungen, Mahnwachen und Veranstaltungen und beteiligt sich federführend an der Organisation und Veranstaltung der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration im Januar.

http://frikoberlin.de

www.ll-demo.de

Berliner Ostermarsch: Sonnabend, 20. April, Auftakt 13 Uhr, an der Volksbühne Rosa-­Luxemburg-Platz. Abschlusskundgebung gegen 15 Uhr am selben Ort

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  • Wolfgang Grund: Exakt bleiben Ich danke für diesen Beitrag. Es wäre nützlich und notwendig, die Umweltauswirkungen von Produktion (Industrie, Landwirtschaft, Verkehr ...), Konsumtion (wirtschaftlich und in den Haushalten) und solc...
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