Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. Mai 2019, Nr. 120
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 20.04.2019, Seite 8 / Ansichten

Schamlose Bündnisse

Indonesien nach den Wahlen
Von Rainer Werning
RTX6S9JH.jpg

Zuerst die gute Nachricht: Es entsprach einer logistischen Glanzleistung, die am Mittwoch stattgefundenen Präsidentschafts-, Parlaments- sowie gleichzeitigen Provinz- und Kommunalwahlen in dem sich über 5.000 Kilometer erstreckenden südostasiatischen Archipel ohne nennenswerte Unregelmäßigkeiten durchgeführt zu haben. Immerhin waren dabei 193 Millionen wahlberechtigte Indonesier zur Stimmenabgabe aufgerufen, wobei die Wahlbeteiligung offiziellen Angaben zufolge bei 81 Prozent lag.

Wie bereits bei der Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren standen sich auch diesmal als Hauptkonkurrenten der frühere Gouverneur der Hauptstadtregion Jakarta, der 57jährige Joko »Jokowi« Widodo, und der 67 Jahre alte Exgeneralleutnant Prabowo Subianto gegenüber. Wenn nicht alles trügt, heißt auch diesmal der Gewinner Widodo, der Hochrechnungen zufolge zwischen 54 und 55 Prozent des Stimmenanteils auf sich vereinigt – etwas mehr als vor fünf Jahren. Wenngleich das amtliche Endergebnis der Wahlen erst im Mai verkündet wird, sah sich Subianto seinerseits bereits in der Wahlnacht mit über 60 Prozent der Stimmen vorn. Entsprechend heizte er die Stimmung nach den gestrigen Freitagsgebeten inmitten seiner jubelnden Fangemeinde an.

Die ernüchternde Nachricht: Von Euphorie kann im Jokowi-Camp diesmal keine Rede sein. Anders war das vor fünf Jahren, als der Mann – Hoffnungsträger im Wahlkampf – vollmundig eine »mentale Revolution« beschworen und mit dem Versprechen, Untersuchungen vergangener Verbrechen während der Suharto-Diktatur (1966–1998) wiederaufzunehmen, zahlreiche Stimmen geködert hatte. Doch schon bald knickte er ein und besetzte sein 34köpfiges Kabinett neben 16 Gefolgsleuten seiner Demokratischen Partei des Kampfes mit 18 Technokraten und Militärs, darunter Topleute der National Intelligence Agency. Unrühmlich war insbesondere der Rückgriff auf General a. D. Wiranto, dem letzten Chef des indonesischen Militärs unter Suharto, der bis heute in Jokowis Kabinett als Koordinierender Minister für Politik, Justiz und Sicherheit fungiert.

Nicht minder schamlos war das Bündnis Jokowis mit Jusuf Kalla, ebenfalls ein Gewährsmann des Ancien Régime, der in den vergangenen fünf Jahren als Vizepräsident an seiner Seite stand. In dem beklemmenden Film »The Act of Killing« (2012) von Joshua Oppenheimer taucht Kalla als gefeierter Redner anlässlich einer Großveranstaltung der Pemuda Pancasila auf. Vor Mitgliedern dieser stramm antikommunistischen paramilitärischen Jugendorganisation erklärte er unter tosendem Beifall: »Wir brauchen Gangster, um Dinge zu bewegen und voranzubringen.«

Nunmehr wird der 75jährige erzkonservative Kleriker Ma’ruf Amin Vizepräsident Widodos. Bei einem solchen Tandem bedarf es nicht unbedingt mehr eines (früheren Suharto-Schwiegersohns) Prabowo Subianto.

Ähnliche:

  • Wahlplakat für den Präsidentschaftskandiaten Prabowo Subianto (l...
    13.04.2019

    Lästerliches und Gottesfurcht

    Indonesien: Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stehen bevor. Klima von Hass und zunehmender Intoleranz
  • GSG-9-geschult: Prabowo Subianto auf Wahlkampftour im Osten Java...
    09.07.2014

    Strammer Stehaufmann

    Ob General a.D. Prabowo neuer Staatspräsident Indonesiens wird, ist ungewiß. Gewiß ist, als Restposten des Suharto-Regimes trägt er zur Entsorgung der Vergangenheit bei
  • 08.04.2014

    Jugend entscheidet

    Parlamentswahl in Indonesien: Oppositionelle PDI-P in Umfragen knapp vorn

Regio:

Mehr aus: Ansichten