75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Dienstag, 16. Juli 2024, Nr. 163
Die junge Welt wird von 2849 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 06.04.2019, Seite 11 / Feuilleton

Nach Filmen suchen

Die designierte Doppelspitze der Berlinale hält nichts davon, Streamingdienste vom Festival auszuschließen. »Einfach zu sagen, ›Netflix machen wir nicht‹, das würde altmodisch wirken«, erklärte Mariette Rissenbeek im Gespräch mit dpa. Die Niederländerin übernimmt mit dem Italiener Carlo Chatrian im Juni die Leitung der Filmfestspiele; sie wird Geschäftsführerin, er künstlerischer Leiter. Auch Chatrian hat keine grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber Produktionen von Streamingplattformen, solange diese auch in Kinos zu sehen sind. Er sieht auch keine Notwendigkeit, die Berlinale zu verschlanken. Was nach seinem Dafürhalten allerdings »nötig sein könnte: den verschiedenen Besuchergruppen klare Hinweise zu geben, wo sie das passende Programm für sich finden«. Im übrigen versprach der 47jährige, der bereits ein neues Auswahlkomitee zusammengestellt hat, dem auch frühere Kollegen aus Locarno angehören: »Wir werden stärker aktiv nach Filmen suchen.« Vorgänger Dieter Kosslick stand im Ruf, bei der Programmgestaltung auf Vorschläge aus Hollywood zu warten.

Die Frage nach ihren bevorzugten Kinoplätzen beantworteten beide sehr unterschiedlich. Während Chatrian am liebsten in den ersten Reihen sitzt, weil er sich nicht ablenken lassen will, sitzt Rissenbeek »gerne hinten an der Seite; von dort bekommt man mit, wie die Leute vorne im Publikum reagieren«. Auch ihre Lieblingsfilme sind sehr verschieden. Beim Italiener ist es Roberto Rossellinis »Liebe ist stärker« (»Viaggio in Italia«, 1954) mit Ingrid Bergman – vor allem wegen der finalen »Wunderszene«. Rissenbeek meinte, ihr sei das Roadmovie »Thelma und Louise« (1991) mit Susan Sarandon und Geena Davis »immer im Kopf geblieben. »Wenn man die Geschichte heute noch mal erzählen würde, müssten sich die beiden am Ende hoffentlich nicht umbringen«, meinte die 62jährige bei dem Gespräch in Berlin. »Vielleicht war das in den 1990ern noch so, dass Frauen, die einen Mann umbringen, das nicht überleben durften.« (dpa/jW)