Gegründet 1947 Donnerstag, 18. April 2019, Nr. 92
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Online Extra
23.03.2019, 11:45:14 / Feuilleton
Leipziger Buchmesse

Sehnsucht nach Alternativen

Die einen wollen die Welt verändern, die anderen schaffen sich eine eigene: Eindrücke von der Leipziger Buchmesse
Von André Scheer
Großer Andrang am Stand der jungen Welt in Halle 5 der Leipziger
Großer Andrang am Stand der jungen Welt in Halle 5 der Leipziger Buchmesse

Großer Andrang in der Leipziger Messe: Die alljährliche Buchmesse lockt auch in diesem Jahr unzählige Interessierte in den Norden der sächsischen Metropole. Doch schon in der Innenstadt zeigt sich in den überfüllten Straßenbahnen und Nahverkehrszügen die ganz besondere Mischung des Publikums: Elfen und Figuren aus japanischen Mangas drängen sich an Anzugträger und »ganz normale« Literaturinteressierte. Am Bahnhof Leipzig-Messe quillt die Menge aus den Türen und marschiert in einem bunten, langen Zug den 750 Meter langen Weg zu den Hallen. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt, trotz der beengten Bedingungen auch an den Einlasskontrollen – aber wer will schon »Super Mario« böse sein, wenn er einen versehentlich anrempelt.

Während die Cosplayer in ihren bunten Kostümen die Messehallen bevölkern, in denen japanische Mangas und Fanartikel erhältlich sind, ziehen Tausende andere zu den Ständen großer und kleiner Verlage. In Halle 5 machen hohe gelbe Banner auf die Stände von junge Welt und Melodie & Rhythmus aufmerksam. Das Angebot eines dreiwöchigen Probeabos für die Tageszeitung wird gerne angenommen, zumal Ingo Höhmann den Interessenten als Überraschung noch ein Exemplar des diesjährigen »Viva Havanna«-Kalenders mitgibt. Gefragt ist auch die Meinung von jW-Geschäftsführer Dietmar Koschmieder, der mit Lesern unermüdlich über Stärken und Schwächen der Zeitung diskutiert.

Auch in Leipzig steht die junge Welt für Gegeninformation
Auch in Leipzig steht die junge Welt für Gegeninformation

Besonders umlagert war der Stand am Freitag abend beim traditionellen Cuba-Libre-Empfang. Vor dem Vergnügen kam aber die Arbeit, wie der jW-Autor Volker Hermsdorf lächelnd anmerkte. Gemeinsam mit André Scheer stellte er die gerade im Papyrossa-Verlag erschienenen Biographien über Fidel Castro und Che Guevara vor. Auch Kubas Botschafter Ramón Ignacio Ripoll Díaz, der gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern der kubanischen Vertretung nach Leipzig gekommen war, sagte einige Wort, bevor das Gemisch aus Cola und kubanischem Rum die trockenen Kehlen befeuchtete.

Verlagsleiter Andreas Hüllinghorst zeigte sich am Sonnabend zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Messe: »Wir als Verlag 8. Mai sind zum ersten Mal mit zwei separaten Ständen auf der Messe vertreten. Das ist ein spannendes Experiment, denn wir können hier die unterschiedlichen Stärken von junge Welt und Melodie & Rhythmus wie auch der anderen Produkte unseres Verlagen differenzierter als sonst präsentieren. Gerade der Zuspruch, den wir für die Arbeit der jW erhalten, ist toll, und viele Besucherinnen und Besucher wissen auch von dem skandalösen Raubzug der Deutschen Post AG, dem sich unsere Zeitung ausgesetzt sieht.«

Mehr aus: Feuilleton