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Aus: Ausgabe vom 18.03.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Was auf der Hand liegt

Die Klub-WM kommt: FIFA-Chef Gianni Infantino hat sich gegen die UEFA und die europäischen Klubs durchgesetzt. Den Rest regelt das Geld
Von Jens Walter
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Big Balls: Gianni Infantino auf der Suche nach noch mehr Geld

Aleksander Ceferin ward nicht mehr gesehen. Der geschlagene Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) entzog sich im edlen Ritz-Carlton-Hotel in Miami den Nachfragen zu der für ihn bitteren Sitzung des FIFA-Councils am Freitag. Nur in einer knappen Stellungnahme bekräftigte die UEFA den gemeinsamen Widerstand mit der Klubvereinigung ECA gegen die neue Klub-WM, der allerdings noch am Wochenende zu bröckeln begann.

»Die bisherige Klub-WM jedes Jahr im Dezember ist ein Nonsens-Wettbewerb. Ich verstehe die FIFA, dass dieser Wettbewerb jetzt reformiert werden soll«, sagte Karl-Heinz Rummenigge der FAS. Zwar übte auch der Vorstandschef von Bayern München Kritik am Führungsstil des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino – wie eine Boykottdrohung klangen Rummenigges Worte aber nicht. Diese hatte die ECA vor der Council-Sitzung in den USA ausgesprochen. Sollte die Reform der Klub-WM durchgewinkt werden, so der Tenor, spielen Europas Spitzenklubs nicht mit. Infantinos Gefolgsleute ließen sich nicht beeindrucken, nur die sieben UEFA-Delegierten stimmten dagegen. Das runderneuerte Turnier wird im Sommer 2021 angepfiffen. Insgesamt werden 24 Teams teilnehmen, davon sollen acht aus Europa kommen. Die Drohkulisse bekam schon am Freitag Risse, als die französische Sportzeitung L’Equipe anhand einer nicht näher genannten Quelle berichtete, dass Champions-League-Sieger Real Madrid die neue Klub-WM befürworte. Auch die Königlichen hatten zu den Unterzeichnern des ECA-Brandbriefes gehört.

Die vermeintliche Lösung liegt auf der Hand. Es geht ums Geld. »Solidaritätszahlungen sind unabdingbar und wichtig«, sagte Rummenigge. Sie dürften aber nicht an die Verbände, sondern müssten an die Ligen und deren Vereine ausgeschüttet werden. »Das liegt doch auf der Hand«, sagte Rummenigge: »Schließlich ist es ein Wettbewerb, der von Vereinen gespielt wird.«

Reinhard Grindel, Mitglied im FIFA-Council und UEFA-Exekutivkomitee beantwortete im Gegensatz zu Ceferin am Freitag nachmittag die Nachfragen. Der DFB-Präsident gehe davon aus, dass es »weitere Gespräche« geben werde. Für die FIFA ist das keine neue Situation. Als die WM 2022 in Katar vor vier Jahren in den Winter verlegt worden war, gingen die Vereine zunächst ebenso auf die Barrikaden. Mit der Zusicherung deutlich erhöhter Kompensationszahlungen konnte der Weltverband die Wogen aber schnell wieder glätten.

Auch bei der Aufstockung der kommenden WM, einem weiteren Lieblingsprojekt des FIFA-Präsidenten, setzte sich Infantino in Miami durch. Das Council fasste eine Grundsatzentscheidung: Wird ein passender Kogastgeber in der momentan allerdings krisengeschüttelten Region gefunden, soll der FIFA-Kongress im Juni die Aufstockung absegnen. Als Ausrichter einiger der dann 80 WM-Spiele kommen geographisch vor allem die Nachbarn (Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) in Frage, die Katar aber seit 2017 mit einer wirtschaftliche und politische Blockade belegt haben. Neutrale Partner in der Region wären aktuell Kuwait und Oman. Das Organisationskomitee bekräftigte seine »Mission, dafür zu sorgen, dass diese WM der gesamten arabischen Welt und dem Nahen Osten gehört.«

Die XXL-Endrunde könnte laut der dem Council vorgestellten Machbarkeitsstudie im gleichen Zeitraum gespielt werden (21. November bis 18. Dezember 2022). Ursprünglich sollte erst die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit 48 statt 32 Mannschaften ausgerichtet werden. Infantino hatte in den vergangenen Monaten aber heftig für die frühere Aufstockung geworben, die zuletzt auch kaum mehr Gegner hatte.

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