Gegründet 1947 Mittwoch, 24. April 2019, Nr. 95
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 11.03.2019, Seite 1 / Ausland
Proteste gegen Bouteflika

Algerien in Aufruhr

Proteste gegen Staatschef Bouteflika halten an. Aufruf zum Generalstreik
Von Sofian Philip Naceur, Annaba
RTX6QHGU.jpg
In Algier gingen am Sonntag erneut Tausende Studentinnen und Studenten gegen Bouteflika auf die Straße

Nach erneuten Großdemonstrationen gegen Algeriens Staatschef Abdelaziz Bouteflika setzt die Protestbewegung die Regierung weiter unter Druck. Landesweit waren am Freitag mehrere Millionen Menschen auf die Straße gegangen und hatten das hinter dem Präsidenten stehende Regime dazu aufgefordert, endlich von dessen Kandidatur bei den für Mitte April geplanten Wahlen abzurücken. Offiziell hält der 82jährige, der Medienberichten zufolge am Sonntag nach einer zweiwöchigen Krankenhausbehandlung in der Schweiz nach Algerien zurückkehrte, an seiner Bewerbung fest.

Bei den Protesten am Freitag war es in der Innenstadt von Algier erstmals zu heftigeren Zusammenstößen gekommen. Nach Angaben der nationalen Polizeibehörde DGSN wurden dabei fast 200 Demonstranten verhaftet und 112 Polizisten verletzt. Offizielle Angaben zu verletzten Demonstranten gibt es keine.

Am Samstag verlängerte das Hochschulministerium die eigentlich erst am 21. März beginnenden Frühlingsferien um zwei Wochen und zog sie auf den 10. März vor – worauf die Jugendlichen unmittelbar mit neuen Protesten reagierten. In der Hauptstadt Algier riefen Studentenverbände dazu auf, am Sonntag vor das Hochschulministerium zu ziehen und Universitäten und Studentenheime zu besetzen. In Annaba versammelten sich schon am frühen Morgen mehrere tausend Studenten und Schüler in der Innenstadt und bedankten sich bei der Regierung für den verfrühten Ferienbeginn mit einer lautstarken Demonstration. Auch in Algier, Constantine und anderen Städten des Landes formierten sich Großdemonstrationen gegen Bouteflikas Kandidatur.

Aufrufe von Teilen der Opposition zu einem am Sonntag begonnenen informellen fünftägigen Generalstreik wurden nur in Teilen des Landes nennenswert befolgt. Vor allem in der Kabylei östlich von Algier wurde gestreikt. Nur wenige Gewerkschaften hatten sich öffentlich hinter die Mobilisierung gestellt. Eine Ausweitung der Arbeitsniederlegungen in den kommenden Tagen wird jedoch erwartet, sollte Bouteflikas Clan nicht auf die Forderungen der Straße reagieren.

Mehr aus: Ausland