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Aus: Ausgabe vom 09.03.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Wespennest

Hintergrund | Do., 18.40 Uhr, DLF
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Gespaltenes Land: In Tiraspol, der Hauptstadt Transnistriens, steht eine Lenin-Statue vor dem Parlament, während in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau, die EU um Einfluss ringt

Noch sind die Ukraine und der Westbalkan nicht komplett befriedet, da scheinen begierige Augen schon auf das nächste Land gerichtet, das es gilt, dem eigenen Machtbereich einzuverleiben. Gemeint ist die beschauliche Republik Moldau, über die der Deutschlandfunk am Donnerstag einen »Hintergrund« ausstrahlte: mit den üblichen Klagen über die korrupte Oligarchie, die mit dem bösen Russland verbandelt sei, von dort Erdöl beziehe und die Hoffnungen der Bevölkerung permanent enttäusche, und die Schwäche der EU, die den Moldauern zwar vage Versprechungen mache, aber wenig zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse beitragen könne. So wartet man denn auf einen Maidan oder den großen Knall – nicht erwähnt wurde, dass es in Moldau schon einmal bürgerkriegsähnliche Zustände gab, die zur De-facto-Abtrennung Transnistriens führten, und insbesondere rumänische Nationalisten den »Anschluss« des alten Bessarabien fordern. Es gibt eben kein Wespennest, in dem man nicht mutwillig herumstochert. (jt)