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Aus: Ausgabe vom 09.03.2019, Seite 8 / Ansichten

Kryptokonservative (m/w/d) des Tages: Taz

Von Sebastian Carlens
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Die Taz behauptet, zum Frauentag ein besonderes Blatt herausgegeben zu haben: »Am 8. März veröffentlichen wir nur Beiträge von Frauen* und nicht-binären Menschen«, heißt es dort.

Identitätspolitik ist das Ding der Grünen, man mag es ihnen nicht vorwerfen. Doch trotzdem stapeln die Taz-Macherinnen zu tief. Das Interessante sind gar nicht die Autorinnen. Warum auch? Frauen schreiben ja nicht schlechter als Männer. Und echte Gleichberechtigung wäre wohl erreicht, wenn eine Ausgabe nur von Redakteurinnen, Journalistinnen und Layouterinnen erstellt worden wäre, ohne dass es eines expliziten Hinweises bedurft hätte. Vermutlich wäre es niemandem aufgefallen.

Vielmehr ist diese Taz der CDU, kommenden »grün-schwarzen« Bündnissen und der Bundeswehr gewidmet. Das Ganze ist nur lilafarben angemalt.

Mann und Frau hätten es ahnen können, schon einen Tag vorher. Da hieß es auf taz.de: »Dass sie«, Annegret Kramp-Karrenbauer, »die CDU wieder konservativ aufstellt, ist jedoch dringend notwendig.« Die CDU-Chefin hatte am Aschermittwoch herumgepöbelt; die Taz schlussfolgert, dass es der Politikerin, die auf einem 50er-Jahre-Trip hängengeblieben ist, gelingen könnte, »die AfD zu schrumpfen, ohne dass sich die Union radikalisiert«. Warum soll eigentlich eine weibliche Chefin ihre Partei nicht radikalisieren können? Ist es denn völlig egal, was sie sagt und denkt (ihr Vergleich der »Ehe für alle« mit Inzest, zum Beispiel)?

Zurück zur Ausgabe vom 8. März. Auf Seite sieben: ein langes Interview mit Gerda Hasselfeldt (CSU). Eine Frau! Direkt darunter: eine Anzeige der Bundeswehr. In Lila! Auf Seite 23, ganzseitig: eine Annonce der CDU. Mit Merkel. Na, Sie wissen schon.

Können sie ja machen, die Leute (m/w/d) von der Taz: den Bürgerblock aus Grünen und Union herbeischreiben. Aber müssen ausgerechnet die Frauen dafür herhalten?

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