Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. Mai 2019, Nr. 120
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 09.03.2019, Seite 1 / Ausland
Krise in Venezuela

Unfreiwilliger Feiertag

Stromausfall legt Venezuela lahm. Regierung spricht von Sabotage
Von André Scheer
RTX6Q50H.jpg
Überfüllt, aber beleuchtet: Die Einwohner von Caracas versuchten am Donnerstag im Dunkeln nach Hause zu kommen

Ein Stromausfall hat am Donnerstag und Freitag weite Teile Venezuelas für Stunden lahmgelegt. Insbesondere in der Hauptstadt Caracas brach Chaos aus, als die Energieversorgung ab 17 Uhr Ortszeit zusammenbrach. Da die Metro ihren Betrieb einstellte und Busse völlig überfüllt waren, machten sich Tausende auf teils stundenlange Fußmärsche nach Hause. Die Behörden riefen die Menschen auf, zu Hause zu bleiben oder an ihren Arbeitsstätten auszuharren. Bis zum Freitag vormittag (Ortszeit) konnte der Stromausfall nicht behoben werden. Als Reaktion darauf erklärte Vizepräsidentin Delcy Rodríguez den Freitag für arbeitsfrei, Schulen und Universitäten blieben geschlossen.

In einer ersten Stellungnahme machte das staatliche Stromversorgungsunternehmen Corpoelec Sabotage des zentralen Kraftwerks am Guri-Stausee verantwortlich. Informationsminister Jorge Rodríguez sprach in einer Fernsehansprache gegen 20 Uhr Ortszeit von einem »Stromkrieg« und beschuldigte direkt den US-amerikanischen Senator Marco Rubio, in das »Attentat« verwickelt zu sein.

Viele Menschen in Venezuela nahmen die offizielle Erklärung skeptisch auf, denn Stromausfälle gibt es in dem südamerikanischen Land häufig. Im vergangenen November hatte die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) die Entlassung von Energieminister Luis Motta Domínguez gefordert und ihn für fehlende Investitionen in die Infrastruktur und Instandhaltung des Stromnetzes verantwortlich gemacht.

Unterdessen hat sich der von der venezolanischen Regierung ausgewiesene deutsche Botschafter Daniel Kriener am Donnerstag von dem selbsternannten »Übergangspräsidenten« Juan Guaidó verabschiedet. Dieser forderte die Bundesregierung auf, seinen Vertreter Otto Gebauer als neuen Botschafter in Berlin anzuerkennen. Gebauer war 2002 als Militär direkt in den Putschversuch gegen Hugo Chávez verwickelt und gehörte dem Kommando an, das den damaligen Präsidenten auf die Insel La Orchila verschleppte.