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Aus: Ausgabe vom 27.02.2019, Seite 16 / Sport
Boxen

Im Dauerclinch

Der Deutsche Boxverband wird kritisiert – und geht zum Angriff über
Von Oliver Rast
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»Zugnummer« für den kommenden »Cologne Boxing World Cup« – Nadine Apetz (links)

Nein, leicht hat es der Deutsche Boxverband (DBV) wahrlich nicht: Unterlassungserklärung, Rückzahlungsforderung, Negativimage. Nach der Absage des internationalen Amateurboxklassikers Chemiepokal in Halle am 22. Januar und der offiziellen Bekanntgabe eines neuen Weltcupturniers in Köln am 18. Februar befindet sich der DBV in einem Mehrfrontenkonflikt (jW berichtete).

Schuld daran will der Verband nicht sein. In einem Brief vom 4. Januar an den Schirmherren des Chemiepokals, den Innen- und Sportminister Sachsen-Anhalts, Holger Stahlknecht (CDU), hatte der DBV die komplizierten Förderrichtlinien, fehlende Bescheide und das Budgetdefizit moniert – und eine Frist bis zum 18. Januar gesetzt, damit der Chemiepokal stattfinden könne. Eine Antwort erreichte den DBV allerdings erst Anfang Februar. Darin wurde, so der stellvertretende Pressesprecher des Ministeriums, Stefan Brodtrück, gegenüber jW, »auf die Genehmigung des vorzeitigen Maßnahmebeginns ab 18. Januar 2019 durch das Landesverwaltungsamt (LVWA) verwiesen«. Weiter heißt es: »Damit hätte der Verband z. B. Verträge abschließen können, obwohl der Zuwendungsbescheid noch nicht vorlag.«

Nur: Der zuständige Sportamtsleiter der Stadt Halle leitete diese Genehmigung mit Datum 18. Januar keineswegs gleichentags an den DBV weiter. Weshalb? Denise Vopel, Pressesprecherin des LVWA, sagte auf jW-Nachfrage: »Sowohl auf die Postlaufzeiten als auch auf die Verteilung und Zuordnung innerhalb der Stadt Halle hat das LVWA keinen Einfluss.« Eine jW-Anfrage an den städtischen Fachbereich Sport blieb unbeantwortet. Hätte der DBV den Chemiepokal veranstaltet, wenn das Schriftstück des LVWA vor der Deadline eingetroffen wäre? »Nein, unsere Frist endete am 18. Januar«, betonte Pressesprecher Manfred Dörrbecker gegenüber jW.

Mit dem LVWA liegt der DBV eh über Kreuz. Das Amt klagt gegen ihn wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der 2014 gewährten Fördermittel in Höhe von 15.000 Euro. Vopel bestätigte gegenüber jW die Klage, will aber zum laufenden Verfahren keine Auskunft geben.

Gegen die Unterlassungserklärung des Landesboxverbands Sachsen-Anhalt, der die Namens- und Markenrechte am Chemiepokal laut seines Präsidenten Roland Wandelt bis Ende 2023 hält (jW berichtete), geht der DBV nun seinerseits mit einer Anwaltskanzlei vor. Als Veranstalter des Chemiepokals sei der DBV der eigentliche Rechteinhaber, heißt es aus DBV-Kreisen.

Auf dem Portal boxen.de attackierte ein unter Pseudonym schreibender Autor den DBV: »Es sind Zustände wie im Feudalismus. Die Barone entscheiden nach Gutsherrenart.« Pressesprecher Dörrbecker kommentierte und drohte mit strafrechtlichen Konsequenzen wegen übler Nachrede und Verleumdung.

Wie ist der Stand in Köln? Der »Cologne Boxing World Cup« (9. bis 13. April) in der Sporthalle Süd sei durch eine »Anschubfinanzierung« des Landes NRW solide durchführbar, versicherte Dörrbecker. 120 Teilnehmer seien zu erwarten, ähnlich viele wie in den vergangenen Jahren beim Chemiepokal in Halle. »Man muss aber immer zwischen gemeldeten Athleten und denen, die tatsächlich über die Waage gehen, unterscheiden.«

Und das Publikum, wo soll das bis zum ersten Gong herkommen? Dörrbecker zweckoptimistisch: »Bei den Halbfinals und am Finaltag sollte die Wettkampfstätte voll werden.« Dafür braucht es 700 Zuschauer. »Zugnummer« soll nach jW-Informationen die Kölnerin und WM-Dritte im Frauenamateurboxen Nadine Apetz sein. »Wir wollen das Boxturnier in Köln etablieren«, sagte Dörrbecker. Ein Folgetermin für Frühjahr 2020 stehe bereits im »Arbeitskalender«. Ob das Turnier dann in der Sporthalle Süd steigen kann, ist unklar, denn die ist marode und soll abgerissen werden.

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