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Aus: Ausgabe vom 22.02.2019, Seite 16 / Sport
eSport

Schlechter Schnitt

Die Szene ist in Aufruhr: SPD und CDU wollen E-Sport nicht mehr vollständig als sportliche Disziplin anerkennen
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Anstrengender, als es aussieht: E-Sport

Dass die E-Sport-Szene wegen der Anerkennung als Sportart mit dem Deutschen Olympischen Sportbund im Clinch liegt, ist kein Geheimnis. Doch nun bröckelt auch wichtige Unterstützung aus der Politik weg. Nach der Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch rückten vor allem die Regierungsparteien von ihrer im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Linie einer vollumfänglichen Anerkennung des E-Sports ab. Die Szene ist in Aufruhr.

Nach dem dreistündigen Treffen im Sitzungssaal 4800 des Paul-Löbe-Hauses war es vor allem die SPD, die sich ungewohnt deutlich vom E-Sport distanzierte. »Bis auf wenige Ausnahmen« genüge dieser »nicht den Ansprüchen einer Sportart«, teilte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Detlev Pilger, mit. Damit liegen die Sozialdemokraten auf einer Wellenlänge mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der die aktuell dominierenden Spieltitel in »virtuelle Sportsimulationen« (z. B. FIFA 19, NBA2K) und »E-Gaming« (League of Legends, Dota 2 etc.) unterteilt. Nur erstere seien nach DOSB-Lesart förderungswürdig. Entsprechend will die SPD-Fraktion lediglich die Gemeinnützigkeit für Vereine mit solchem Angebot zusichern.

Das ist dem E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) viel zu kurz gegriffen. ESBD-Präsident Hans Jagnow geißelte den Positionswechsel der SPD als »Vertrauensbruch«. Auch die Vorstellungen der CDU kommen nicht gut an. Der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger will sogenannten »Ego-Shootern« die Gemeinnützigkeit verwehren. »Shooter-Spiele wie Counter-Strike bewegen sich außerhalb der vom Sport akzeptierten und geförderten ethischen Grenzen«, sagte er. »Eine vollständige Anerkennung des E-Sports bedeutet, den E-Sport in allen Facetten anzuerkennen«, hält Jagnow dagegen.

Die Vorstandsvorsitzende des DOSB, Veronika Rücker, war am Mittwoch in Berlin ebenfalls zugegen und erläuterte noch einmal die kritische Haltung des Dachverbandes. »Wir erkennen, dass es ein kulturelles Phänomen ist, das im Alltag inzwischen zunehmend verankert ist. Aber wir sehen eben nur eine ganz geringe Schnittmenge zu dem, was uns unter dem Dach des organisierten Sports bewegt«, sagte Rücker dem sid. »Ich würde nicht behaupten, dass die Schnittmenge heute größer geworden ist.« (sid/jW)

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