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Aus: Ausgabe vom 22.02.2019, Seite 2 / Ausland
Katalonien wehrt sich

Generalstreik gegen Repression

Tausende legen in Katalonien die Arbeit nieder. Solidarität mit Politikern
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Streikkundgebung am Donnerstag vor der Universität Barcelona

Für 24 Stunden haben Tausende Menschen am Donnerstag in Katalonien die Arbeit niedergelegt. Zu dem Generalstreik unter der Losung »Ohne Rechte gibt es keine Freiheit« hatten einige kleinere Gewerkschaftsverbände und die Organisationen der Unabhängigkeitsbewegung aufgerufen. Andere linke Organisationen wie die anarchosyndikalistische CGT, aber auch die republikanische COS hatten sich dem Aufruf nicht angeschlossen, die großen Dachverbände CCOO und UGT standen ebenfalls abseits.

Nach Behördenangaben wurde der Streikaufruf sehr unterschiedlich befolgt. In der Hauptstadt Barcelona seien der Nahverkehr und die Universitäten zu 67 Prozent lahmgelegt worden, und im Einzelhandel habe die Beteiligung bei 30 Prozent gelegen, teilte die Behörde für Arbeit, Soziales und Familien am Donnerstag mittag mit. Geringer waren die Auswirkungen demnach im öffentlichen Dienst, wo 18 Prozent die Arbeit niederlegten. Aus kleineren Gemeinden, insbesondere aus den Hochburgen der Unabhängigkeitsbewegung, wurde teilweise gemeldet, dass der Generalstreik »total« befolgt wurde.

Der Gewerkschaftsbund Intersindical-CSC begründete seinen Aufruf zum Ausstand aus rechtlichen Gründen in erster Linie mit wirtschaftlichen Forderungen, etwa nach einer Anhebung des Mindestlohns auf 1.200 Euro im Monat und die Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden. Tatsächlich war der eigentliche Anlass für den Streik der seit vergangener Woche in Madrid laufende Prozess gegen führende Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung. Ihnen drohen für die Durchführung des von Madrid verbotenen Referendums über die Selbstbestimmung Kataloniens am 1. Oktober 2017 teilweise jahrzehntelange Haftstrafen.

Gegen Mittag gingen unter anderem in Barcelona, Lleida und anderen Städten Tausende Menschen auf die Straße, um ihre Solidarität mit den Angeklagten zu bekunden. Am Rande der Kundgebungen kam es zur Blockade von Straßen und Eisenbahnschienen, immer wieder ging die Polizei mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vor. Sprecher der streikenden Studenten kritisierten bei einer Kundgebung vor der Universität Barcelona, dass Menschen in Haft säßen, weil sie gewaltfrei ihr Recht verteidigt hätten, über das Schicksal ihres Landes zu entscheiden. »Wir werden wieder das tun, was wir am 1. Oktober zur Verteidigung des Referendums getan haben. Sollen sie uns doch alle verurteilen, dieser Prozess ist eine Schande!« (jW)

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