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Aus: Ausgabe vom 22.02.2019, Seite 1 / Ausland
Krise in Südamerika

Provokation an der Grenze

USA und Kolumbien drohen Venezuela mit militärischer Intervention. Grenze zu Brasilien geschlossen
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»Trump: Hände weg von Venezuela«, fordern Demonstranten am Mittwoch in San José

Die französische Fluggesellschaft Air France hat ihre Verbindungen nach Venezuela für drei Tage eingestellt. Aus Sicherheitsgründen fielen die Flüge von Paris nach Caracas bis mindestens Montag aus, sagte eine Sprecherin der Airline am Mittwoch abend.

Hintergrund der Entscheidung ist die angespannte Lage insbesondere an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela, auch wenn diese 1.000 Kilometer von Caracas entfernt liegt. Auf der kolumbianischen Seite soll am heutigen Freitag ein großes Konzert stattfinden, das offenbar die Kulisse für Grenzverletzungen abgibt, die Anhänger des venezolanischen Putschisten Juan Guaidó für den morgigen Samstag angekündigt haben. Sie wollen »humanitäre Hilfe« nach Venezuela bringen, obwohl dafür keine Genehmigung der Behörden vorliegt. In Caracas wird die Aktion als Vorwand für eine militärische Aggression gegen die Bolivarische Republik angesehen. Dafür sprechen auch jüngste Drohungen von US-Admiral Craig Faller und dem kolumbianischen General Luis Navarro am Mittwoch (Ortszeit) in Miami. Man werde »zum Schutz der Zivilbevölkerung« eingreifen, wenn die venezolanische Armee die Grenze verteidige, erklärten sie.

Die Regierung Venezuelas antwortet auf die Provokationen mit einem Gegenkonzert sowie Kundgebungen in allen grenznahen Bundesstaaten. Zugleich bekräftigte Außenminister Jorge Arreaza am Mittwoch (Ortszeit) erneut die Bereitschaft der Regierung zum Dialog. Bei einem Treffen mit Vertretern der aus acht EU-Ländern bestehenden »Internationalen Kontaktgruppe« erklärte er in Caracas, dass sich alle Konfliktparteien ohne ausländische Einmischung an einen Tisch setzen müssten.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat am Donnerstag die Schließung der Grenze zum Nachbarland Brasilien angeordnet. »Ab heute bleibt die Grenze zu Brasilien geschlossen«, sagte der Präsident bei einer Sitzung mit ranghohen Militärs. Zuvor hatte die Regierung bereits die Grenze zu den niederländischen Karibikinseln Curaçao, Aruba und Bonaire geschlossen.

Die KP Kubas rief in einem Brief an die kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt zur Solidarität mit Venezuela auf. Dem Land drohe »eine typische imperialistische Aggression, wie auch immer sie bemäntelt« werde. Ziel der USA sei es, sich die größten Erdölreserven des Planeten anzueignen, heißt es in der am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme. (jW)

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