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Aus: Ausgabe vom 21.02.2019, Seite 10 / Feuilleton
Venezuela

Hilfe! Konzert gegen Venezuela geplant

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»Trick der Trump-Administration«: Milliardär Richard Branson

Venezuelas riesige Erdölreserven sind nicht leicht zu erschließen, aber man muss sich nur mal die irrwitzigen Kredite anschauen, die das »Fracking-Wunder« in den USA ermöglichen, um zu wissen, welche Hilfe sie für Venezuela vorgesehen haben. Jenen, die das für zu einfach halten, hat Ex-Pink-Floyd-Sänger Roger Waters in einem Video auf Twitter am Dienstag versichert: »Es hat nichts mit den Bedürfnissen der venezolanischen Bevölkerung zu tun, es hat nichts mit Demokratie zu tun, es hat nichts mit Freiheit zu tun, es hat nichts mit Hilfe zu tun.«

Das war auf die Motivlage der USA im allgemeinen gemünzt, im besonderen aber auf ein für Freitag geplantes »Benefizkonzert«. Unter anderen soll der puerto-ricanische Sänger Luis Fonsi (»Despacito«) in der kolumbianischen Stadt Cúcuta an der Grenze zu Venezuela auftreten, auch Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel ist angekündigt. Organisiert wird das Massenspektakel vom britischen Milliardär Richard Branson (Foto), der seine ersten Millionen mit dem Virgin-Plattenlabel machte, und natürlich nur das Wohlergehen der »notleidenden« Venezolaner im Sinne hat. Was auch sonst?

Damit die Güte ihr Ziel finde, müsste freilich die Grenze geöffnet werden, fügte der Menschenfreund an. Branson sei damit auf einen »Trick« der Trump-Administration hereingefallen, erklärte Roger Waters in besagtem Video ausgesprochen wohlmeinend. »Wollen wir wirklich, dass Venezuela zu einem neuen Irak, Syrien oder Libyen wird? Ich nicht, und das venezolanische Volk auch nicht.« Entgegen anderslautender Behauptungen erklärten ihm Freunde aus Caracas, es gebe »keinen Bürgerkrieg, kein Chaos, keinen Mord, keine offensichtliche Diktatur, keine Masseninhaftierung der Opposition, keine Unterdrückung der Presse«.

Andere Twitter-Kommentare fielen weniger höflich aus. Da wurde Bransons Unterstützung der Weißhelme in Syrien ins Gedächtnis gerufen (»Richard, erinnerst du dich an die Zeit, in der du Al-Fatah Al-Scham/Al-Quaida promoted hast? (…) Schieb dir deine moralische Überlegenheit und deine Kolonialherrenreiterei in den Arsch!«). Sein Kampf gegen das britische Gesundheitssystem war Thema, genau wie seine Steuerflucht auf die Jungferninseln, von denen ihm eine gehört. Wie morste schon Mike Oldfield 1990 auf seinem Album »Amaraok« zum Abschied von Virgin? »Fuck off RB«! (jW)

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