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Operette mit Höhepunkten

Von Marek Lantz
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Rückkehr aus China ins Tal der Tränen, durch das die Pader fließt: Anthony Modeste

In einem waren sich die Experten vor der aktuellen Saison einig: Nur ein kurzes Intermezzo in der obersten Unterklasse würden die Schlachtrösser Hamburger SV und 1. FC Köln geben. Einfach eine Nummer zu groß für die gerade nicht sonderlich prominent besetzte fußballerische Zweitklassigkeit schienen die beiden großen Neurotiker unter den Traditionsvereinen. Während der HSV erwartungsgemäß, wenn auch eher mühsam, seine Kreise an der Tabellenspitze zieht, ist der in Sachen Kaderpotential noch deutlich höher eingestufte kölsche FC aktuell ziemlich ins Trudeln gekommen. Neuester Höhepunkt der Operette: Eine spektakuläre 2:3-Niederlage am Freitag abend in Paderborn. Dabei schien sich in der Partie sogar ein Märchen anzubahnen: 73 Spielminuten waren gespielt, als der nach monatelangem Tauziehen endlich spielberechtigte China-Rückkehrer Anthony Modeste die Kölner mit 2:0 in Führung brachte und hollywoodesk in Freudentränen ausbrach. Ein Standard und zwei Sonntagsschüsse, bei denen der pausbäckige Timo Horn im FC-Tor keine gute Figur abgab, ließen die Partie dann aber kippen. »Der Aufstieg ist gefährdet. Nach so einem Spiel können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen«, schäumte FC-Sportdirektor Armin Veh nach dem Abpfiff, denn mit der Last-Minute-Pleite purzelte man erstmals von den direkten Aufstiegsplätzen.

Nutznießer der Kölschen Krise war tags darauf Union Berlin. Ebenfalls erst in der Schlussminute sicherte ein Tor von Union-Angreifer Sebastian Andersson den 3:2-Erfolg beim MSV Duisburg, mit dem sich die Eisernen auf den zweiten Platz der Tabelle vorschoben. Die Mannschaft der Stunde heißt jedoch 1. FC Magdeburg. Mit 3:1 gewann der Neuling bei Arminia Bielefeld und holte somit im neuen Kalenderjahr zehn von zwölf möglichen Punkten. »Viel besser geht es nicht«, freute sich FCM-Trainer Michael Oenning, dessen nach völlig verkorkstem Engagement 2011 beim HSV schon beendet geglaubte Karriere plötzlich wieder Fahrt aufnimmt. In Bielefeld profitierte man jedoch auch vom Unparteiischen Sascha Stegemann, der schon früh fälschlicherweise einen Arminen vom Feld stellte.

Eine Etage tiefer schwächeln derweil die Aufstiegsaspiranten. Erneut sieglos blieb Drittligaprimus VfL Osnabrück (0:0 in Münster), der zweitplazierte Karlsruher SC unterlag mit 0:1 dem 1. FC Kaiserslautern. Somit bot sich dem Halleschen FC die Gelegenheit, mit dem KSC gleichzuziehen, doch beim HFC scheint man aktuell leider vergessen zu haben, wo das Tor des Gegners steht. Gegen die Sportfreunde Lotte gab es das dritte 0:0 in Folge. Düster bleibt die Lage währenddessen in Jena und Cottbus. Sowohl der FC Carl Zeiss, dessen Trainer Lukas Kwasniok nach dem 0:2 in Zwickau seiner Elf eine »skandalöse erste Halbzeit« attestierte, als auch die 2019 noch punktlose Energie (0:3 in Meppen) wurden humorlos abgefidelt und verbleiben auf Abstiegsrängen.

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