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Frei vorm Tor

Von Gabriele Damtew
Kurz vor Schluss versagten seine Nerven: Streli Mamba
Kurz vor Schluss versagten seine Nerven: Streli Mamba

Fußball kann so ungerecht sein wie das Leben überhaupt. Diese bittere Erfahrung machte am Wochenende einmal mehr in dieser Drittligasaison Energie Cottbus. Was nützen Ballbesitz und ungewohnt schönes Spiel (Sie haben richtig gelesen), wenn am Ende die Bälle nicht im Tor landen? Die Gäste aus Würzburg zeigten Effizienz pur: zwei Chancen – zwei Tore. Nach Einwechslung gelang dem inzwischen 36jährigen Dimitar Rangelow durch einen abgefälschten Freistoß der Anschluss, aber Streli Mamba versagten kurz vor Schluss frei vorm Tor die Nerven. Trost: Niemand kann sich so schön ärgern wie Cottbus’ Trainer »Pele« Wollitz. Energie findet sich im Tabellenkeller wieder.

Verlassen hat dieses Dunkel überraschend die SG Sonnenhof-Großaspach durch einen 2:0-Coup beim Tabellenersten VfL Osnabrück. Die Schwaben, die nach 22 Spieltagen knickrige 16 Treffer auf der Habenseite verbuchten, überlisteten durch präzises Konterspiel die siegverwöhnten Niedersachsen, mussten sich aber auch bei ihrem Torwart Kevin Broll (unberechtigten Handelfmeter gehalten), Schiri Florian Badstübner (berechtigten Handelfer nicht gepfiffen) und zuletzt dem Lattenaluminium (stand richtig im Weg) bedanken. Für Osnabrück war es erst die zweite Niederlage der Saison.

Mit ebenfalls nur einer Niederlage und der besten Offensive (42 Tore) reiste die SpVgg Unterhaching an die Waterkant nach Rostock. In krassem Gegensatz zu ihr hatte Hansa zuletzt im November gewinnen können, Torflaute inklusive. Haching startete nach zwei witterungsbedingten Spielabsagen ganz frisch in die Restsaison. Für Hansas Trainer Jens Härtel war es die Jungfernfahrt im neuen Heimathafen. Die Kogge nahm schnell Tempo auf. Das frühe Pressing der Hansa-Stürmer ließ die Gäste kaum aus ihrem Strafraum kommen, so waren diese dort als Abwehrbollwerk versammelt. Erst eine Ecke von Willi Evseev gelangte nach missglückter Abwehr vor Lukas Scherffs Füße, der mit dem linken ins Tor abzog. Nach der Pause schlugen nach schöner Vorarbeit von Cebio Soukou und Maximilian Ahlschwede Härtels Joker zu. Mirnes Pepic schlenzte den Ball zu Merveille Biankadi, der locker einlochte. Den über 10.000 Fanseelen wurde beim winterlichen Härtel-Heimdebüt warm ums Herz.

Liga-Überflieger Halle (Platz drei) musste auf dem Betzenberg vor mehr als 19.000 Zuschauern gegen Kaiserslautern antreten. 1.500 davon waren zur moralischen Unterstützung aus Sachsen-Anhalt angereist, wie auch Oldie Christian Tiffert, der die Bank warmhielt. Trotz 0:0 gab es auch Positives: Ein geplanter Fritz-Walter-Devotionalien-Ausverkauf, der für mächtig Wirbel gesorgt hatte, war verhindert worden, und Halles überforderter Scorer Mathias Fetsch sprach mit Hochachtung von einem »atemberaubenden Stadion«.

Zum Schluss: Ärger droht Andreas Petersen, Vater des Tor-des-Jahres-Schützen Nils und Trainer von Regionalligist Germania Halberstadt. Er soll Spieler des SV Babelsberg zur indirekten Spielmanipulation aufgefordert haben, Germanias offizieller chinesischer Sponsor dazu den Chemnitzer FC. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt.

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