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Aus: Ausgabe vom 11.02.2019, Seite 7 / Ausland
Ungarn

Neonazis feiern

Ungarn: »Tag der Ehre«-Veranstaltung in Budapest. Antifa protestiert
Von Lajos Csoma, Budapest
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2009 fand die Erinnerung an die faschistischen Kriegsverbrecher am »Tag der Ehre« noch auf dem Heldenplatz in Budapest statt

Neonazis aus ganz Europa haben am Samstag in Budapest wieder den »Tag der Ehre« gefeiert. Im Varosmajor-Park in der Nähe der Budapester Burg nahmen in etwa 400 Personen an einer Veranstaltung teil, die seit 15 Jahren an den im Februar 1945 gestarteten »Ausbruch« ungarischer und deutscher faschistischer Truppen aus einem Kessel der Roten Armee in Budapest erinnern soll. Des sinnlosen Fluchtversuchs, den von 20.000 bis 25.000 Soldaten nur wenige Hunderte überlebten, wird von Neonazis als »heroische Tat« gedacht. Organisiert wurde die Veranstaltung in diesem Jahr von der Gruppe »Legio Hungaria«, die zu dem in Ungarn verbotenen »Blood and Honour«-Netzwerk gehört und sich vor einigen Jahren von dem der Neonaziszene nahen Flügel der Partei Jobbik getrennt hatte.

Geplant war wie in den Jahren zuvor zunächst eine Demonstration auf dem Budapester Burggelände. Die Polizei hatten die offen neonazistische Veranstaltung jedoch verboten, u. a. wohl auch, weil Ministerpräsident Viktor Orban seit Beginn des Jahres sein Büro dort hat. Eine »Wandertour in Erinnerung an den Ausbruch«, die seit einigen Jahren ebenfalls in der Burg beginnt, wurde hingegen genehmigt. So bekamen dennoch mehrere hundert Nazisympathisanten am Nachmittag die Möglichkeit, u. a. in Uniformen des Zweiten Weltkriegs über das Burggelände zu marschieren.

Verschiedene Organisationen, darunter autonome Antifagruppen, Roma-Vereine und Schülergruppen, hatten zu einer Gegendemonstration aufgerufen. 200 bis 250 Antifaschisten versammelten sich bei der größten Gegendemo der letzten Jahre zunächst in der Nähe der Burg auf dem Szell-Kalman-Platz, früher Moskau-Platz, da der Treffpunkt der Neonazis erst am späten Nachmittag bekanntgeworden war. Eine kleinere Gruppe versuchte später, zur Veranstaltung der Neonazis im Varosmajor-Park zu gelangen, wurde aber von der Polizei daran gehindert. Als die Rechten nach dem Ende ihrer Demo über den Platz mussten, bzw. in die Burg gingen, um an der »Ausbruchstour« teilzunehmen, wurden sie von den Antifaschisten mit »Drecksnazis!«-Sprechchören empfangen.

Eine Schülergruppe zog nach der Antifaveranstaltung noch in die Burg, um sich ein Bild von den Teilnehmern der »Tour« zu machen. Sie wurde von Vermummten angegriffen, Verletzte gab es jedoch keine.

Bereits am Freitag abend hatte es in Budapest an öffentlichen Veranstaltungsorten Neonazikonzerte mit Beteiligung internationaler Gäste gegeben. Auch am Samstag abend feierten die Nazis in diesen Klubs weiter.

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