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Aus: Ausgabe vom 04.02.2019, Seite 1 / Titel
Kampf um Venezuela

Warnung vor Krieg

Hunderttausende demonstrieren in Caracas für Präsident Maduro, mehrere zehntausend für Putschisten Guaidó. USA bereiten Intervention vor
Von Modaira Rubio, Caracas
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Hunderttausende für ein unabhängiges Venezuela: Demonstration am Samstag in der Hauptstadt Caracas

Es war ein unübersehbares Menschenmeer, das in ausländischen Fernsehsendern kaum vorkam: Hunderttausende Menschen haben am Sonnabend auf der Avenida Bolívar in der venezolanischen Hauptstadt Caracas an den 20. Jahrestag der Amtsübernahme von Hugo Chávez erinnert und gegen den laufenden Putschversuch gegen die gewählte Regierung des Präsidenten Nicolás Maduro demonstriert. In seiner Ansprache richtete Maduro einen Aufruf an seine Gegner, den »Weg des Interventionismus« zu verlassen. Angesichts der immer deutlicheren Drohungen aus den USA und Kolumbien, die Souveränität des südamerikanischen Landes zu verletzen, forderte der Staatschef die Opposition auf: »Tun Sie einen Schritt nach vorne, hören Sie auf, nach Krieg zu rufen, hören Sie auf, einen bereits gescheiterten Putsch zu unterstützen!« Maduro sprach sich für vorgezogene Parlamentswahlen noch in diesem Jahr aus. Regulär würde die von der Opposition beherrschte Nationalversammlung erst Ende 2020 neu gewählt.

Bei der zeitgleich durchgeführten Kundgebung der Opposition im Osten von Caracas, zu der mehrere zehntausend Menschen gekommen waren, erklärte Putschistenführer Juan Guaidó, der sich am 23. Januar selbst zum »Präsidenten Venezuelas« erklärt hatte, dass man keine Angst vor einem Bürgerkrieg habe. Auf der Leinwand hinter ihm wurden unter anderem das Sternenbanner und die Fahne Israels eingeblendet.

Die Opposition rechnete damit, dass spätestens zu Wochenbeginn »humanitäre Hilfe« durch die US-Armee über die Grenze gebracht werde. Eine Ausgangsbasis dafür soll die kolumbianische Grenzstadt Cúcuta werden. Auf der venezolanischen Seite liegt der Bundesstaat Táchira, der von Gegnern Maduros regiert wird. Weitere Zentren für die »humanitäre Hilfe« sollen demnach in Brasilien und auf einer namentlich nicht genannten Karibikinsel eingerichtet werden.

Washington beruft sich auf ein Hilfeersuchen Guaidós, der von der US-Administration als »Präsident« anerkannt worden ist. Da die Einmischung der Vereinigten Staaten durch die rechtmäßige Regierung jedoch abgelehnt wird, wäre der Grenzübertritt von US-Truppen eine völkerrechtswidrige Aggression, auf die Venezuelas Streitkräfte reagieren müssten. Offenbar spekuliert man in Washington und Bogotá aber darauf, dass es keinen ernsthaften Widerstand durch die Armee geben werde, sondern die Soldaten massenhaft zu Guaidó überlaufen würden. Am Wochenende wurde bekannt, dass sich vier hochrangige Offiziere der Luftwaffe hinter die Putschisten gestellt haben. Das Oberkommando bekräftigte jedoch seine Treue zur Regierung.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte bereits davor, Hilfsgüter ohne Zustimmung der Regierung ins Land bringen zu wollen. Die IKRK-Vertreterin in den USA und Kanada, Alexandra Boivin, sagte der Nachrichtenagentur AP, sie habe die Regierung von Donald Trump bereits informiert, dass das Rote Kreuz »in einem solchen Umfeld nur sehr begrenzt operieren« könne.

Kolumbiens Präsident Iván Duque hatte die Spekulationen bereits am Freitag (Ortszeit) angeheizt, indem er einen Sturz der »Diktatur« in Venezuela »in den nächsten Stunden« prognostizierte. Auch der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, heizte die Lage an, indem er Maduro mit einer Inhaftierung im US-Gefangenenlager Guantanamo drohte.

Unter anderem in Hamburg, Kiel, Frankfurt, München und Wien kamen am Wochenende Dutzende bis Hunderte Menschen zu Kundgebungen und Solidaritätsveranstaltungen für Venezuela zusammen.

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