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Aus: Ausgabe vom 23.01.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Konkurrenzkampf nach US-Art

Huawei geht in die Offensive

Chinas Industrieriese wehrt sich gegen politisch und wirtschaftlich motivierte US-Attacken
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Protestaktion in Vancouver gegen Festnahme von Huawei-Managerin in Kanada am 10. Dezember

Der chinesische Telekomkonzern Huawei wehrt sich gegen gezielte US-Attacken, die das Unternehmen Umsatz und Gewinn kosten. Das Management sieht hinter dem aggressiven Vorgehen Washingtons politische Motive. Huawei wird von US-Diensten und deren medialen Sprachrohren vorgeworfen, bei Netzwerkausrüstungen und der implementierten Software Spionage zu betreiben. Diese vorgeblichen Sicherheitsfragen seien technisch zu lösen, sagte der derzeitige Vorsitzende des Konzerns, Eric Xu, am Dienstag in Shenzhen vor deutschen Journalisten. »Deswegen können wir nur sagen, dass es eine politische Angelegenheit ist.« Es gebe aber keinerlei Kommunikation zwischen Huawei und den US-Behörden.

Mit Blick auf die von interessierten Kreisen aufgeheizte Diskussion auch in Deutschland über einen Boykott des größten Netzwerkausrüsters und zweitgrößten Handyherstellers der Welt sagte Xu: »Eine Beteiligung von Huawei am Ausbau des 5G-Netzes hat nichts mit der Sicherheit der Netzwerke in Deutschland zu tun.« Diese neue Generation des Mobilfunknetzes für schnelle und größere Datenmengen werde von den drei Anbietern Telekom, Vodafone und Telefonica »gebaut und betrieben«. Die technische Unterstützung durch den chinesischen Konzern erfolge »unter der Aufsicht« der Mobilfunkbetreiber.

Xu verwies auch auf das Sicherheitslabor, das Huawei eigens in Bonn eingerichtet hatte. Dort können das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) und die Netzbetreiber mithilfe der geheimen Quellcodes von Huawei die Sicherheit der Produkte selbst testen. Ähnliche Einrichtungen gebe es auch in Großbritannien und Kanada.

Die Einladung an deutsche Mainstreamjournalisten in die Industriemetropole Shenzhen werten diese als Teil einer PR-Offensive des Konzerns. Wegen der »Sicherheitsbedenken« ist Huawei praktisch vom lukrativen nationalen Netzwerkmarkt in den USA ausgeschlossen. Und die USA in ihrer vermeintlichen Allmacht drängen andere Staaten, ihrem Beispiel zu folgen. Die üblichen Verdächtigen wie Australien, Neuseeland, Großbritannien und auch Norwegen scheinen dazu bereit.

Eine der jüngeren US-Attacken wirft ein Schlaglicht auf die Ziele Washingtons: Meng Wanzhou, Tochter des Huawei-Gründers und Finanzchefin des Unternehmens, sitzt unter strengen Auflagen in Kanada fest. Die USA haben ihre Auslieferung beantragt. Begründung: Bankbetrug bei der Verletzung von Sanktionen gegen den Iran.

Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Kanada und China. Nach Mengs Festnahme wurden in China zwei Kanadier inhaftiert. Die Behörden werfen ihnen Aktivitäten vor, die »die nationale Sicherheit gefährden«. Vor einer Woche wurde zudem die 15jährige Haftstrafe gegen einen Kanadier wegen Drogenschmuggels in China kurzfristig in eine Todesstrafe umgewandelt. (dpa/jW)

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