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Aus: Ausgabe vom 12.01.2019, Seite 15 / Geschichte

Anno … 3. Woche

1919, 15. Januar: Die beiden führenden Repräsentanten der neugegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, werden in Berlin-Wilmersdorf von einer Bürgerwehr festgenommen und der Garde-Kavallerie-Schützen-Division übergeben, aus der später zahlreiche Freikorps hervorgehen. In deren Hauptquartier im Hotel Eden werden die beiden Gefangenen verhört und gefoltert. Auf Anordnung des Hauptmanns Waldemar Pabst, der sich zuvor mit dem SPD-Wehrminister Gustav Noske abgesprochen hat, werden sie am Abend ermordet. Luxemburgs Leiche wird in den Landwehrkanal geworfen, wo diese erst am 31. Mai von einem Schleusenwärter entdeckt wird.

1919, 18. Januar: In Versailles tritt die Pariser Friedenskonferenz zusammen. Die Verhandlungen dauern bis Mai an. Der am 10. Januar 1920 in Kraft tretende sogenannte Versailler Vertrag, der die Kriegsschuld Deutschlands festschreibt und umfassende Gebietsabtretungen und hohe Reparationszahlungen festlegt, trifft in der Weimarer Republik auf erheblichen Protest und wird als »Diktatfrieden« von allen politischen Kräften bis hin zur KPD abgelehnt. In Verbindung mit der »Dolchstoßlegende« spielt der Vertrag in der Folge eine herausragende Rolle in der Propaganda der Rechten, die Deutschland als unterdrückte Nation darstellen, die es zu befreien gelte.

1944, 19. Januar: Im englischen Portsmouth verhaften Zivilpolizisten die im Volksmund als »höllische Nell« bekannte Helen Duncan, die dafür berühmt ist, als Medium Kontakt zu den Toten aufnehmen zu können. Obwohl sie schon 1931 als Betrügerin entlarvt worden ist, hat Duncan mit ihrem Geschäft großen Erfolg, zumal sich im Zuge des Zweiten Weltkriegs viele Angehörige von gefallenen Soldaten an sie wenden. Da die Wahrsagerin zweimal den Untergang britischer Kriegsschiffe vorhersagt, bevor dies von den Behörden bestätigt wird, geht der MI5 gegen sie vor. Der Strafgerichtsprozess gegen Duncan wird auf der Grundlage eines Hexereigesetzes aus dem Jahr 1735 geführt. Im April wird sie zu neun Monaten Gefängnis verurteilt und schließlich im September 1944 begnadigt. Der »Witchcraft Act« wird erst 1951 abgeschafft.

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