Aus: Ausgabe vom 12.01.2019, Seite 1 / Ausland

Washington beginnt Abzug aus Syrien

Erstes US-Kriegsgerät aus dem Norden des Landes verlegt. Türkei bereitet Einmarsch vor

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Noch da: Ein Konvoi der US-geführten Militärkoalition gegen den IS in der syrischen Provinz Deir Al-Sor (22.11.2018)

Die USA haben am Donnerstag abend mit dem Rückzug ihrer Truppen aus Syrien begonnen. Das bestätigte ein Sprecher der US-geführten »Anti-IS-Allianz«, ohne konkrete Angaben zum Zeitplan, zu Orten oder Truppenbewegungen zu machen, wie die New York Times berichtete. Rund zehn gepanzerte Fahrzeuge und weitere Maschinen sollen von der US-Basis in der ostsyrischen Provinz Hasaka abgezogen worden sein. Der Sender CNN hatte zuvor berichtet, die Verlegung des Materials bedeute den Beginn des US-Abzugs aus Syrien.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte am Freitag, dass das bislang von US-Truppen kontrollierte Gebiet unter Aufsicht der syrischen Regierung gestellt werden solle. Moskau rief die Regierung in Damaskus und die syrischen Kurden zu Gesprächen auf. Denn die Kurden seien »ein integraler Teil der syrischen Gesellschaft«.

Trotz des Widerstands der US-Regierung gegen die geplante türkische Offensive gegen kurdische Truppen in Nordsyrien rüstet Ankara dort weiter auf. Die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete am Freitag, neues Kriegsgerät sei in Richtung der Grenze zu Syrien verlegt worden.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar besuchte am Freitag morgen die Grenzregion und sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die Vorbereitungen für die Offensive würden »intensiv fortgesetzt«. »Vor uns liegen Manbidsch und der Osten des Euphrat«, sagte er. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte am Donnerstag in einem Interview mit dem türkischen Sender NTV betont, die Türkei werde losschlagen, sollten die USA ihren Abzug zu lange hinauszögern.

Unterdessen teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk am Freitag mit, dass rund 2.000 Menschen in der Region Hadschin im Osten des Landes festsäßen. Fliehende berichteten von katastrophalen Zuständen in dem Gebiet, das unter Kontrolle des »Islamischen Staates« steht. Demnach sind in den vergangenen fünf Wochen mehr als 8.500 Menschen in Flüchtlingslagern außerhalb der Region angekommen. (AFP/dpa/Reuters/jW)


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