Aus: Ausgabe vom 28.12.2018, Seite 16 / Sport

Mobi für den Fantreff

Von Oliver Rast
IMG_0255.JPG
»Komplette Fankultur«: Protestmarsch am 21. Dezember

Berlin. Unter dem Hashtag »Fanbogen bleibt« mobilisieren Fans der Eisbären Berlin seit Ende November für den Erhalt des Treffs »Fanbogen« an der Warschauer Brücke in Friedrichshain. Anhänger nutzen dort in Eigenregie zwölf Container, die der Verein Anfang 2015 gestiftet hatte. Sie bauten die Container aus, legten Strom, installierten Klos und drapierten innen Utensilien aus der Klubgeschichte.

Das Areal gehört der Anschutz Entertainment Group (AEG), Eigentümer und Betreiber der Arena am Ostbahnhof, Spielstätte der Eisbären. Von der AEG hat der Klub das Gelände gemietet und an den Förderverein Fanbogen e. V. untervermietet. »Wir müssen nur die Nebenkosten zahlen«, sagt Axel Hoppe, Gründungsmitglied und Sprecher, gegenüber jW.

Damit könnte am 30. Juni 2019 Schluss sein. Die AEG will neue Container für eine Bauleitung hinstellen. Einen Alternativstandort für die Fans gibt es bislang nicht.

Was bedeutet der Treff für die Fans? »Nichts weniger als die komplette Fankultur, die die Eisbären so auszeichnet«, sagt Hoppe. Die Container sind eine Ideenwerkstatt: Choreographien werden hier entworfen, Winkelemente gebastelt. Vor und nach dem Spiel kommen Fans zusammen, zum Fachsimpeln, zum Bier oder O-Saft, »auch Gästefans«, wie Hoppe betont.

Am vergangenen Freitag organisierten Hoppe und Co. den ersten Protestmarsch vom Alexanderplatz zur Arena. Etwa 150 Fans nahmen teil. »Wir brauchen viel Aufmerksamkeit«, sagt Hoppe. Die Aktion sollte ein Signal sein, an den Verein, an die AEG. Hoppe will »weitermachen« auch während der Heimspiele. »Zehn bis zwölf Tapeten mit Slogans zum ›Fanbogen‹ werden im weiten Rund gezeigt.«

Wie ist der Kontakt zum Klub? Hoppe: »Null, seit vier, fünf Wochen haben wir gar keinen mehr.« E-Mails an die Geschäftsstelle blieben unbeantwortet.

Jay vom Fanklub »Black corner« sieht die AEG am längeren Hebel – und sagt auf jW-Nachfrage: »Wenn die uns weghaben wollen, wird’s passieren.« Der »Fanbogen« sei ein »weiteres Opfer der Gentrifizierung«. Noch gibt es Druckmittel, um die Verantwortlichen zum Dialog mit den Fans zu bewegen. Hoppe stellt klar: »Schlachtrufe für den ›Fanbogen‹, Umzüge durch die Arena oder minutenlanges Schweigen richten sich nicht gegen die Mannschaft.«


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Sport
  • Berliner Regionalligist Viktoria 1889 schwärmte von Investor – Folgen sind verheerend
    Alina Schwermer