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Aus: Ausgabe vom 19.12.2018, Seite 11 / Feuilleton

Lutz, Agischewa

Von Jegor Jublimov
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»Mit medizinischen Problemen vertraut«: Marijam Agischewa bei Dreharbeiten zu »In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte«

Durch die Zusammenarbeit mit großen Dramatikern ist Regine Lutz, die am Samstag 90 wird, in die Theatergeschichte eingegangen. Dürrenmatt vertraute der zierlichen, aber kraftvollen Baselerin 1969 eine Hauptrolle in der Uraufführung von »Play Strindberg« in eigener Regie an. 1970 spielte sie die Titelrolle in der Uraufführung des Hochhuth-Stücks »Die Hebamme« in Kassel, 2000 am Berliner Ensemble (BE) noch einmal diese Rolle unter der Regie des Autors.

Größte Bedeutung hatte ihre Zusammenarbeit mit Brecht, unter dessen Regie sie 1948 bei der Uraufführung von »Herr Puntila und sein Knecht Matti« in Zürich das Kuhmädchen spielte. Sie folgte ihm ans neugegründete BE, wo sie die Rolle neben Leonard Steckel gab, und 1952 neben Curt Bois die Hauptrolle der Eva übernahm. Die spielte sie auch im DDR-Fernsehen, nun mit dem bisherigen Matti, Erwin Geschonneck, als Puntila. Von der Bois-Inszenierung gibt es Filmaufnahmen des damals sehr jungen Brechtianers Hans-Jürgen Syberberg.

Beim Fernsehfunk trat die Lutz auch in der Besson-Inszenierung von »Pauken und Trompeten« auf, einer Fassung, die Brecht eigens für sie eingerichtet hatte. Bis 1960 spielte sie viele große Brecht-Rollen am BE, ging dann jedoch in den Westen. In Film und Fernsehen tauchte sie dort nur noch ab und an auf, etwa in Schlöndorffs »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (1975) oder im Mehrteiler »Die Buddenbrooks« (1979) als Sesemi Weichbrodt. Von 1979 bis 1985 gehörte Lutz in Hamburg und Westberlin zu Ensembles unter Intendant Boy Gobert. Von 2005 bis 2009 war sie in der TV-Serie »Soko Leipzig« zu sehen. Ihren Vorlass übergab sie der Akademie der Künste.

Auf den Tag genau 30 Jahre jünger ist Marijam Agischewa, die 2015 als Chefärztin Patzelt in dem Serienerfolg »In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte« noch einmal durchstartete. Mit medizinischen Problemen war die 1958 in China als Tochter einer Tartarin und eines Österreichers geborene Schauspielerin schon von 1998 bis 2002 in der TV-Serie »Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen« befasst. Bald danach ließ sie sich, um ein zweites Standbein zu haben, zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ausbilden.

Mit zwei Jahren war Marijam Agischewa in die DDR gekommen, mit 16 von Wolfgang Hübner entdeckt worden, für seinen Jugendfilm »Geschwister« (1975). Sie studierte an der Berliner Schauspielschule und wurde 1980 für die Titelrolle in »Marta, Marta« nach einem Szenarium von Gisela Steineckert mit dem Preis des Jugendmagazins Neues Leben ausgezeichnet. Nach ihrem Erfolg in der Serie »Treffpunkt Flughafen« wurde sie 1987 Fernsehliebling der FF dabei.

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