Gegründet 1947 Freitag, 23. August 2019, Nr. 195
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 15.12.2018, Seite 15 / Geschichte

Anno … 51. Woche

1938, 17. Dezember: Otto Hahn und seinem Assistenten Fritz Straßmann gelingt der Beweis einer neutroneninduzierten Kernspaltung mittels des Nachweises des Spaltprodukts Barium. Anfang 1939 veröffentlichen die beiden Chemiker ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Naturwissenschaft. Die Entdeckung der Kernspaltung von Atomen sorgt für großes Aufsehen. Bereits vier Jahre später geht unter Aufsicht des italienischen Physikers Enrico Fermi in Chicago der erste Kernreaktor in Betrieb. Er ist Bestandteil des sogenannten Manhattan-Projekts, das den Bau einer Atombombe zum Ziel hat. Otto Hahn wird 1944 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen.

1958, 20. Dezember: Mitglieder des antimilitaristischen Direct Action Committee blockieren den Zugang zu einem Gelände der britischen Royal Air Force in North Pickenham, wo eine Atomraketenbasis entstehen soll. An der Aktion beteiligt sich auch einer der führenden Sprecher der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der Pastor Michael Scott. Die Polizei lässt die Demonstranten zunächst gewähren, greift dann aber, als keine Presse mehr anwesend ist, hart durch. 46 Teilnehmer der Blockade werden festgenommen, unter ihnen auch Michael Scott, der daraufhin die Weihnachtstage im Gefängnis verbringt. Die Blockade ist die zweite Aktion der englischen Friedensbewegung in North Pickenham. Bereits am 7. Dezember sind Demonstranten auf das Gelände des Stützpunkts vorgedrungen und haben die Bauarbeiten gestört.

1963, 20. Dezember: In Frankfurt am Main beginnt der erste Prozess gegen 22 ehemalige Bewacher des Vernichtungslagers Auschwitz. Insgesamt werden in den 154 Prozesstagen 360 Zeugen gehört. Am 19. August 1965 werden die Urteile verkündet. Sechs der Angeklagten, die sich bei ihren Aussagen vor Gericht alle gegenseitig gedeckt haben, werden zu lebenslangen Zuchthausstrafen, zehn zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und 14 Jahren verurteilt. Ein Angeklagter erhält eine zehnjährige Jugendstrafe. Drei werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Kurze Zeit später beginnt ebenfalls in Frankfurt der zweite Auschwitzprozess gegen Mitglieder der Lagerverwaltung. Ein dritter Prozess richtet sich 1968 gegen zwei sogenannte Funktionshäftlinge, die an der Misshandlung und Tötung anderer Häftlinge beteiligt waren.

Mehr aus: Geschichte