Aus: Ausgabe vom 12.12.2018, Seite 16 / Sport

In die Magengrube

Vergangene Woche starb der ehemalige Boxweltmeister Markus Beyer

Von Rouven Ahl
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»Ein kompletter Boxer«: Markus Beyer (1971–2018)

Am 3. Dezember erreichte den deutschen Sport eine traurige Nachricht: Der ehemalige Boxweltmeister Markus Beyer verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 47 Jahren in einem Berliner Krankenhaus. Sein ehemaliger Trainer Ulli Wegner bestätigte vor ein paar Tagen, dass Beyer an Nierenkrebs litt. Das Boulevardblatt Bild hatte die Krankheit bereits zuvor als Todesursache kommuniziert. »Da fehlen mit die Worte, ich bin sehr traurig«, sagte die deutsche Boxlegende Henry Maske gegenüber tag24.de (5.12.). »Er war ein erfolgreicher Sportler und ein ruhiger, angenehmer, rücksichtsvoller Mensch.«

Während seiner Profikarriere gewann der Supermittelgewichtler insgesamt dreimal den Weltmeistertitel des Verbandes WBC. Immer dabei: sein Trainer Ulli Wegner, der Beyer bereits zu dessen Amateurzeiten betreute. »Ich kann meine Gefühle mit Worten nicht beschreiben. Jeder weiß, dass er mein Lieblingssportler war – und das hatte vor allem eine menschliche Komponente. Markus Beyer war ein durch und durch feiner Mensch. Im Moment fühle ich mich, als hätte mir jemand in die Magengrube geschlagen. Ich muss das alles erst verarbeiten «, so Wegner gegenüber dem MDR (4.12), für den Beyer seit 2015 als Experte tätig war.

»Wir sind bestürzt und trauern um einen großartigen Sportler und wunderbaren Kollegen. Mit seinem Sachverstand hat er als Mitarbeiter des MDR ›Sport im Osten‹ in den vergangenen Jahren geprägt. In Gedanken sind wir bei seiner Familie«, äußerte sich MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi (4.12.).

Nach dem Unfalltod von Graciano Rocchigiani im Oktober ist mit Beyer, der am 28. April 1971 in Erlabrunn im Erzgebirge geboren wurde, in kürzester Zeit ein weiterer Exboxprofi verstorben, der den Sport in den 90er Jahren in Deutschland geprägt hat – zu einer Zeit also, als das Boxen dank Sportlern wie Henry Maske, Axel Schulz und eben Beyer noch zu den beliebtesten TV-Sportarten gehörte. Vor dem Start seiner Profikarriere gewann er 235 seiner 274 Amateurkämpfe, nahm zweimal an den Olympischen Spielen teil und erreichte bei der WM einmal das Halbfinale sowie bei der EM das Finale.

Zum ersten Mal wurde der 176 Zentimeter große Rechtsausleger 1999 in England Weltmeister, nach einem technischen Knockout gegen den Briten Richie Woodhall. Beyer war damit nach Max Schmeling und Ralf Rocchigiani erst der dritte deutsche Boxer, der im Ausland zum Weltmeister wurde.

Seinen letzten Kampf bestritt er 2008 gegen den Russen Murat Machmudow, den er für sich entscheiden konnte – es war der 35. Sieg in seinem 39. Profikampf. Beyer war »taktisch sehr vielseitig, ein kompletter Boxer«, sagte Wegener dem sid (4.12.) über seinen ehemaligen Schützling. Beyer war genau das, flotte Sprüche und extrovertiertes Auftreten, wie es mittlerweile zum Boxen dazugehört, waren seine Sache nicht.

Mit seiner Krankheit ging Beyer ebenfalls sehr zurückhaltend um. Laut Bild (5.12.) traten die ersten Probleme vor ein paar Wochen auf. Wie Freunde von Beyer sagten, habe er Probleme beim Laufen bekommen und sich in eine Klinik in Aue begeben. Danach kam er in ein Berliner Krankenhaus. Wie andere ehemalige Weggefährten, zeigte sich auch Exboxer Axel Schulz bei Eurosport schockiert ob des überraschenden Todes von Beyer: »Da tritt der Sport in den Hintergrund. Da hat er leider viel zu früh den wichtigsten Kampf verloren.«


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