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Aus: Ausgabe vom 12.12.2018, Seite 11 / Feuilleton
Droste

Die Kavallerie kommt. Wahre Tierrechte (58)

Von Wiglaf Droste

Das Lied war zu Ende, der Applaus für Melissa langanhaltend und hingebungsvoll, die Tänzerinnen und Tänzer, erschöpft von soviel Leben, atmeten schwer, und der Hahn, der mit mehreren Hennen zugleich hatte tanzen dürfen, bat nur noch um Gnade. Melissa wollte schon »Orgien, Orgien! Wir wollen Orgien!« aus einem ihrer Lieblingscomics zitieren, als plötzlich lautes Hufgetrappel zu hören war. »Oh, die Kavallerie kommt!« rief Melissa und fügte hinzu: »Das bedeutet für gewöhnlich das Ende der Freiheit. Statt dessen regieren wieder Dummheit, Zucht und Ordnung und legitimierte Gewaltexzesse, und das nennen sie dann Happyend!«

Erzeugt wurde das Geräusch aber von unberittenen Pferden, die aus der angrenzenden Koppel kamen, die Jochen an einen Nachbarn verpachtet hatte. Die schönen, hochbeinigen Geschöpfe boten selbstgemachte Stutenmilchshakes an und fragten höflich, ob sie vielleicht ein paar kesse Hufe aufs Parkett legen dürften …? »Aber klar doch!« erscholl es im Chor, und die Pferde wieherten vor Freude. Manche waren einfach nur zum Tanzen aufgelegt, andere zwackte die Neugier, und so wurde viel getuschelt. »Probt ihr hier wirklich den Aufstand?« – »Ja, und es ist unglaublich aufregend!«

Don Domi, der alte Katzenmann, sah von seinem Hochsitz aus zu, grinste wissend und träumte von seiner Jugend, von rauschenden Festen mit Fisch, Meerestieren und wildem Katzengeschrei in der Nacht.

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