Aus: Ausgabe vom 08.12.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Schweizer Erfahrungen

Zu jW vom 1./2.12.: »Post kontra Presse«

Wenn ein Post-Vorstandsvorsitzender täglich Zehntausende Euro und mehr verdient, dann kann es doch niemand verwundern, wenn sein Unternehmen Zusagen einfach bricht und überall den Rotstift ansetzt. Solche Phantasiegehälter müssen ja irgendwie finanziert werden. (…) In den 80er Jahren war ich in Zürich Abonnent mehrerer DDR-Zeitschriften (Fotografie, Wochenpost, Sinn und Form u. a.). Damals wurde im »Westen« immer wieder betont, dass DDR-Bürger keine Westzeitungen und -zeitschriften bestellen könnten und dies eine Verletzung der Menschenrechte bedeute. Doch wo sind wir heute? Zeitungsabonnements z. B. aus Italien kann man sich wegen der übertriebenen Höhe des Auslandsportos praktisch nicht mehr leisten. Ist dies nicht auch eine Verletzung der Menschenrechte oder des Informationsrechts?

Roland Hauri, Ederswiler/Schweiz

Sträfliche Leichtfertigkeit

Zu jW vom 29.11.: »Zankapfel Krim«

Die Argumentation, Russland habe mit der Krim-Sezession nichts anderes getan als der Westen mit dem Kosovo, ist nicht gerecht. Das kann eben nicht verglichen werden, da die Bevölkerung im Kosovo nicht befragt wurde – schon gar nicht die Serben –, sondern die USA mit Brachialgewalt diesen Teil abgetrennt haben (…), um dort ihre größte Raketenbasis gegen Russland aufbauen zu können. Russland hatte einen über 42 Jahre gehenden Pachtvertrag für den Schwarzmeerhafen Sewastopol, der noch längst nicht abgelaufen war, und war deshalb militärisch legal auf der Krim präsent. Dazu kommt ein Faktum, das leider alle klugen Menschen, die sich mit der legalen Seite der Affäre beschäftigen, nicht wahrzunehmen scheinen, was aber von Wichtigkeit ist: Nikita Chruschtschow, ein Mann, der 1964/65 in Unehren seines Amtes enthoben wurde, da seine Politik nicht mehr zu vertreten war, hat 1954 die Krim an die Ukraine verschenkt (…). Er hat diesen Schritt ohne Beratung mit dem Obersten Unionssowjet, der allein über territoriale Belange innerhalb der SU zu entscheiden hatte, getan. Das heißt: Es war ein illegaler Akt. Dass er rückwirkend vom Unionssowjet abgesegnet wurde, erwies sich als einer von mehreren Vorfällen, die durch eine sträfliche Leichtfertigkeit der SU-Führung gekennzeichnet waren, wie man heute im Rückblick erkennen kann.

Cornelia Praetorius, per E-Mail

Keine Vermittlerin

Zu jW vom 30.11.: »Dominanz der Krisen«

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist als jahrelange Unterstützerin der neofaschistischen Putschisten und Kriegsverbrecher in Kiew als Vermittlerin vollkommen ungeeignet. Sie finanziert deren Krieg gegen die eigene Bevölkerung mit Milliarden Euro an Kriegskrediten und lässt sogar Angehörige der Neonazitodesschwadron »Asow« in Krankenhäusern der Bundeswehr behandeln. Finanzminister Wolfgang Schäuble kommentierte 2014 im ZDF: »Ob das jetzt uns wirtschaftlich und finanziell etwas kostet oder nicht, ist zweitrangig.« Beim letzten »Vermittlungsversuch« der BRD in der Ukraine war das Ergebnis ein völkerrechtswidriger Neonaziputsch und ein Krieg mit mehr als 10.000 Toten und über einer Million Vertriebenen. Als der ARD-Chefredakteur Ulrich Deppendorf Merkel in einem Interview am 4. Mai 2014 fragte, ob sie bereit sei, Kiew aufzufordern, die »Militäraktionen einzustellen«, hat sie dies mit den Worten abgelehnt: »Es ist so, dass jeder Staat das Recht hat, für sich auch das Gewaltmonopol einzuklagen.« Bei der demokratisch gewählten Regierung unter Präsident Wiktor Janukowitsch, deren gewaltsamen Sturz mit Hilfe von Neonazikollaborateuren Merkel zuvor völkerrechtswidrig mit betrieben hat, wollte sie dieses nicht gelten lassen. (…)

Michael Schmidt, per E-Mail

Angriff in Vorbereitung

Zu jW vom 5.12.: »Ultimatum an Moskau«

Was Reinhold Lauterbach vergisst: Die USA können die in Osteuropa stationierten »Raketenabwehrsysteme« schnell und kaum bemerkbar mit nuklear bestückten Marschflugkörpern umrüsten. Die scheinbaren »Defensivwaffen« (»Patriot«-Antiraketen- oder »Aegis«-Feuerleitsystem) mutieren dann durch einfach zu realisierenden Austausch oder Umrüstung zu hochgefährlichen Angriffs- bzw. Erstschlagswaffen. Für die militärische und zivile (z. B. Städte) In­frastruktur gibt es im Westen Russlands damit keine Vorwarnzeiten mehr. Es bleibt Russland zur Abwehr im Falle nuklearer US- bzw. NATO-Angriffe nur »die tote Hand«, also die automatische Auslösung des Zweitschlags. Bei genauem Hinsehen bedeutete also schon die Stationierung der »Antiraketensysteme« in Osteuropa – an den Grenzen Russlands – eine eklatante Verletzung des INF-Vertrages über nukleare Mittelstreckenraketen und dient vielleicht der Vorbereitung eines Angriffskrieges.

Thomas Pelte, per Kommentarfunktion

Sündenbock Russland

Zu jW vom 5.12.: »Ultimatum an Moskau«

Natürlich geht es nicht um die angeblichen Verstöße Russlands gegen den INF-Vertrag. Die freihändigen westlichen Vorwürfe dienen nur dazu, dem eigenen Publikum weitere Aufrüstungen zu verkaufen und Russland die Schuld dafür zuzuweisen. Auch möchten die USA im Pazifik (…) die VR China militärisch unter Druck setzen.

Hans Gielessen, Frankfurt am Main

Auf der Straße

Zu jW vom 5.12.: »Keine Opposition in Sicht«

Dass gerade in der jW der außerparlamentarische Protest gegen die österreichische Regierung ausgespart bleibt, mutet doch etwas eigenartig an. Gleich nach Antritt der Regierung protestierten Zehntausende, vor dem Sommer kamen mehr als 100.000 zu einer Demo gegen den Zwölfstundentag, es gab und gibt Warnstreiks, die auch mit der Regierung zu tun haben, und jeden Donnerstag gehen mittlerweile in mehreren Städten Zehntausende gegen die Regierung auf die Straße. Für den 15. Dezember ist in Wien die nächste Großdemonstration geplant. In vielen kleinen Punkten gibt es Widerstand. Es gibt eine Opposition, aber auf der Straße!

Otto Bruckner, Vorsitzender der Partei der Arbeit Österreichs, Wien

Die Vorwürfe dienen nur dazu, dem eigenen Publikum weitere Aufrüstung zu verkaufen und Russland die Schuld dafür zuzuweisen.