Aus: Ausgabe vom 07.12.2018, Seite 10 / Feuilleton

Ein Lied kann eine Brücke sein

Es wundert einen gar nichts mehr: Klaus Meine (70), Frontmann der Rockband Scorpions, darf sich den diesjährigen Leibniz-Ring des Presseclubs Hannover anstecken. Sie fragen sich, was der Universalgelehrte und frühneuzeitliche Vordenker der materialistischen Dialektik (vgl.: das Lebenswerk von Hans Heinz Holz) mit der lebenden Quetschkommode der Hannoveraner Hartgurkentruppe gemein hat? Meine weiß es: »Leibniz war wie ich ein großer Optimist«, sagte die bekannteste Pfeife der Nation (»Wind of Change«) vor der Preisverleihung am Mittwoch. Die Laudatio hielt passenderweise der ehemalige Boxweltmeister Wladimir Klitschko. Was der ukrainische Sportwissenschaftler und Politmarionetten-Bruder an Meine zu loben wusste, ist Gott sei Dank nicht überliefert. Wohl aber die Begründung der Jury: Der Sänger habe mit seiner Popularität »Brücken kultureller Vielfalt« gebaut. Unter denen darf er’s sich nun gemütlich machen.

Apropos Hannover, wie schrieb jW-Genosse Carlens im vergangenen Jahr: »Niedersachsen hat es nicht leicht. Die höchste Erhebung der Hauptstadt: der Hannoveraner Müllberg. Eine eigene Landesgeschichte: Fehlanzeige. Die Treue der Einwohner gehört, so das Erinnerungsvermögen nicht durch Braunschweiger Bier ausgelöscht wurde, dem Geschlecht der Welfen, dessen Stammhalter ein notorischer Wildpinkler ist. Der berühmteste Sohn des Landes, Carsten Maschmeyer, wäre in einem Rechtsstaat keinesfalls auf freiem Fuß, geschweige denn im Fernsehen. Allerdings hat er als Berufserpresser angefangen, das zählt zwischen Harz und Heide als ehrbares Gewerbe. So rangiert das Gebiet, für das die Bezeichnung Landschaft ein unerhörter Euphemismus wäre, in der Beliebtheit zwischen dem Schurkenfreistaat Sachsen und den Schwaben, dem niedersten aller teutschen Stämme.« Quod erat demonstrandum. (jW)

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