Aus: Ausgabe vom 07.12.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Sparprogramm wird optimiert

Volkswagen senkt Kosten und streicht Stellen. Profite und Arbeitsverdichtung steigen

Von Stephan Krull
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»Ein neuerlicher Einschnitt bei den Beschäftigten ist unvermeidlich«, wenn der Profit steigen soll

Der Kernmarke des Volkswagenkonzerns ist ein weiteres umfassendes Sparprogramm verordnet worden. Das machte der operative Chef des Unternehmens, Ralf Brandstätter, beim Pressegespräch am 6. Dezember in Wolfsburg deutlich. Von radikaler Restrukturierung und einer Offensive für 30 neue, besonders profitable SUV-Modelle war die Rede. Der Kunde bekomme künftig »in jeder Fahrzeugklasse« einen »Volkswagen-SUV«. In den USA z. B. wurden von den Pkw-Modellen Golf, Jetta und Passat 60.000 weniger verkauft, von den SUV-Modellen Tiguan und Atlas mit bis zu 280 PS jedoch 80.000 mehr. Ähnlich sieht es in China, Russland, Brasilien und den arabischen Märkten aus. Weltweit ist mittlerweile jedes fünfte verkaufte Fahrzeug von VW ein SUV, in Europa jedes vierte und in den USA sogar jedes dritte. Die globale Steigerung der CO2-Emissionen ist auch darauf zurückzuführen. Das Management von Volkswagen hat dabei vor allem die Neureichen in China und Russland, aber auch die Superreichen in den arabischen Staaten im Blick.

Nach massiven Einsparungen im Rahmen des »Zukunftspaktes« vor zwei Jahren, der Personalabbau, Komplexitätsreduzierung, Flexibilisierung, Preisdiktate bei Zulieferern und Arbeitsverdichtung nach sich zog, stieg der Profit von buchhalterischen 1,6 Prozent auf 4,1 Prozent. Stolz verkündete der Finanzchef Arno Antlitz: »Die Produktivität wurde gesteigert«, und seit Start des Zukunftspakts wurden »netto 5.600 Stellen abgebaut«. Im vergangenen Jahr lag der operative Gewinn bei 3,3 Milliarden Euro. Für Vorstandschef Herbert Diess ist das zuwenig. Innerhalb von fünf Jahren soll die Profitrate auf acht Prozent »optimiert« werden. Bis dahin soll der Profit um sechs Milliarden Euro steigen, rund drei Milliarden Euro davon sollen aus Einsparungen kommen, die andere Hälfte unter anderem durch höhere Verkaufspreise. »Ein neuerlicher Einschnitt bei den Mitarbeitern ist unvermeidlich«, zitierte das Handelsblatt am Vortag bereits einen Topmanager. Und der Markenchef sagte: »Bis 2025 wollen wir die Produktivität in unseren Werken durchschnittlich um 30 Prozent steigern und die Investitionen massiv reduzieren.« Geredet wird vom »Kulturwandel« hin zu einem offeneren, weniger hierarchischen Volkswagen. Im November seien die Auslieferungen in Europa daher angeblich »auch wieder deutlich weniger beeinträchtigt« gewesen.

Die Werke in Zwickau, Emden und Hannover werden vollständig auf Elektroautos umgestellt – nachdem lange und andauernde Phasen von Kurzarbeit die Beschäftigten in Unruhe versetzen. Damit Elektromobilität günstiger wird, müssten große Stückzahlen produziert werden – so die Hoffnung. Bei der Preispolitik kann das gründlich schiefgehen, der »Brexit«; die andauernde Finanzkrise und der Trumpsche Handelskrieg belasten den globalen Automarkt massiv. Die Verhandlungen der deutschen Autobosse mit der Trump-Regierung werden diese Risiken nicht minimieren.


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