Aus: Ausgabe vom 05.12.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Bergbau und Entwicklung

Eines der Hauptargumente, mit denen nicht nur in Lateinamerika große Wirtschaftsprojekte begründet werden, ist die industrielle Entwicklung des Landes. Die komme auch der Bevölkerung zugute, antworten die Befürworter auf Proteste gegen große Bergbauprojekte, den Bau von Wasserkraftwerken oder neue Erdölförderanlagen, die vielfach die Umwelt und die Existenzgrundlagen der Einheimischen bedrohen.

Am 20. November legte nun die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) ihren aktuellen Bericht über die Lage in den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde vor. Zu den insgesamt 47 Ländern dieser Kategorie gehören unter anderem Afghanistan, der Jemen und 33 afrikanische Länder. Aus dem amerikanischen Kontinent wird von der UNCTAD nur Haiti in dieser Liste geführt, doch die Schlussfolgerungen der Studie sind auch für andere lateinamerikanische Länder bedeutend – und sie widersprechen der Argumentation der Befürworter ausländischer Großinvestitionen.

Die UNCTAD stellt in ihrem Bericht fest, dass die Anbindung an die internationalen Wertschöpfungsketten durch ausländische Direktinvestitionen und den Export von Rohstoffen die Entwicklung örtlicher Unternehmen in den am wenigsten entwickelten Ländern behindere und nicht begünstige. Wie Elena Rusca für das kolumbianische Internetportal Colombia Informa schreibt, gehe aus der Studie hervor, dass Erdölförderung und große Bergbauprojekte eben keine Arbeitsplätze in den armen Ländern schafften. Am Beispiel Angolas weist sie darauf hin, dass die Erdölförderung durch ausländische Konzerne zwar für die größten Einnahmen des Staates sorge, zugleich aber nur 0,5 Prozent der erwerbstätigen Angolaner eine Beschäftigung biete. Auf diese Weise blieben die ärmsten Länder immer von anderen Mächten abhängig.

Demgegenüber sieht der Bericht eine große Chance in der Entwicklung kleiner und größerer Firmen in diesen Ländern selbst. Allerdings meint die Studie damit auch die 270 Millionen Arbeiter in den am wenigsten entwickelten Ländern, die »auf eigene Rechnung« tätig sind, »was man üblicherweise als eine Form von Unternehmertum ansieht«. Solche »selbständigen« Straßenhändler, Bauern usw. haben jedoch – wenig überraschend – nur geringe Chancen, sich zu entwickeln oder auch nur am Markt zu behaupten: Mehr als 50 Prozent von ihnen, so die UNCTAD, verschwänden innerhalb der ersten fünf Jahre ihrer Existenz wieder. (scha)

kurzlink.de/unctad-bericht

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Schwerpunkt
  • Gemeinden und Kleinbauern in Kolumbien wehren sich gegen Bergbaukonzerne. Bericht über einen Volksentscheid
    Ani Dießelmann