Aus: Ausgabe vom 22.10.2018, Seite 5 / Inland

Der Trend geht zum Einwegauto

VW will moderne Diesel-Pkw verschrotten, um neue Autos zu verkaufen

Von Stephan Krull
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Die Zukunft jedes Automobils: Schrott auf Halde

Bei VW sanken die Verkaufszahlen im September in Westeuropa um 40 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess beklagte bei einer Werbeveranstaltung in Wolfsburg am 2. Oktober neben dem Handelskrieg zwischen den USA und China, dem »Brexit« und den Sanktionen gegen Russland: »Der jetzige Feldzug gegen die individuelle Mobilität und damit gegen das Auto nimmt jedoch existenzbedrohende Ausmaße an.« Er bezieht sich dabei auf die von der EU vorgesehenen Umweltmaßnahmen, um die Klimavereinbarungen einhalten zu können. In der Konsequenz droht er mit dem Rausschmiss von 100.000 Beschäftigten bei Volkswagen.

Und nicht nur das: Der überwiegende Teil der Pkw-Verkäufe besteht inzwischen aus steuermindernd absetzbaren Dienst- und Geschäftsfahrzeugen. Seit Jahren gewähren Autounternehmen und Händler Rabatte von bis zu 30 Prozent, um Privatpersonen zum Kauf von Autos zu gewinnen. Dem dient auch die »Mobilitätsgarantie«, die Volkswagen für den Fall verspricht, dass es zu großflächigen Fahrverboten kommt, die von der Justiz jetzt tatsächlich durchgesetzt werden sollen. »Der Volkswagen-Konzern ist auch weiterhin bereit, einen Beitrag zu leisten, um seinen Kunden uneingeschränkte individuelle Mobilität zu sichern und dadurch Fahrverbote in besonders belasteten Städten zu vermeiden«, sagte Diess weiter. Die konsequente Erneuerung der Fahrzeugflotte sei ein schneller und effizienter Weg zu einer besseren Luftqualität. Die alten Rabatte werden neu aufgelegt als »Umweltprämien«, »Umtauschprämien« und Sonderfinanzierungen mit der Maßgabe, dass ältere Fahrzeuge zurückgegeben werden – hat ja 2009 mit der »Abwrackprämie« auch geklappt. Zurückgenommen werden Modelle aller Hersteller, der Kauf eines Neuwagens oder eines jungen Gebrauchtfahrzeugs wird dann mit einem Preisnachlass unterstützt.

Jürgen Resch vom Verein Deutsche Umwelthilfe sprach am Donnerstag wegen der beabsichtigten Verschrottung Hunderttausender umrüstbarer Fahrzeuge inzwischen von »Einwegautos«, die alle paar Jahre wieder aus dem Verkehr gezogen werden, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Während CDU/CSU, SPD, FDP, AfD und in Teilen auch die Grünen vor allem Fahrverbote verhindern wollen, kritisierte die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ingrid Remmers, am Donnerstag: »Die Automanager werden ihr kriminelles Gebaren nur dann ändern, wenn sie mit empfindlichen Strafen seitens der Bundesregierung rechnen müssen.« Doch die weigere sich, die gesetzlich vorgesehenen Geldbußen in Höhe von 5.000 Euro pro Fahrzeug wegen illegaler Abschalteinrichtungen zu verhängen.


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