Aus: Ausgabe vom 22.10.2018, Seite 2 / Ausland

Geständnis aus Riad

Saudi-Arabien räumt Tötung des Journalisten Chaschukdschi ein

Der saudiarabische Regimekritiker Dschamal Chaschukdschi ist tot. Das bestätigte am Samstag in Riad die amtliche Nachrichtenagentur SPA. Nachdem der Journalist am 2. Oktober in Istanbul das Konsulat des Königreichs betreten hatte, habe es dort ein Handgemenge gegeben, in dessen Verlauf der 60jährige ums Leben gekommen sei. »Möge seine Seele in Frieden ruhen«, heißt es in einer knappen Presseerklärung des Regimes.

Ein namentlich nicht genannter Regierungsvertreter sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters, Chaschukdschi habe ursprünglich an einen geheimen Ort außerhalb Istanbuls gebracht werden sollen. Dort habe man ihn davon »überzeugen« wollen, nach Saudi-Arabien zurückzukehren. Bei einer Ablehnung hätte der Journalist dieser Version zufolge »nach einiger Zeit« wieder freigelassen werden sollen. »Es war nicht die Absicht, ihn zu töten«, so die Quelle. »Sie haben versucht zu verhindern, dass er schreit.« Die Leiche sei demnach, in einen Teppich gewickelt, aus dem Konsulat geschafft und einem lokalen Helfer übergeben worden. Keine Angaben gab es dazu, wo die sterblichen Überreste Chaschukdschis entsorgt wurden.

Saudi-Arabien versichert, dass die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen würden. 18 Tatverdächtige seien bereits verhaftet, der Vizepräsident des Geheimdienstes, Generalmajor Ahmad Al-Asiri, sei entlassen worden. Dieser ist nach Ansicht des Senders Al-Dschasira »eine Schlüsselfigur im Königshaus«. Kronprinz Mohammed bin Salman habe ihn selbst auf den Posten gesetzt.

US-Präsident Donald Trump nannte die Erklärung aus Riad und die Verhaftungen einen »guten ersten Schritt«. Die Darstellung der Geschehnisse im Konsulat sei »glaubwürdig«. Trump schloss Sanktionen zwar nicht aus, machte aber klar, dass keinesfalls die Waffenlieferungen betroffen seien. Neben Trump feierten auch Saudi-Arabiens Verbündete in der arabischen Welt – Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate – die Erklärung aus Riad. Der Rest der Welt bleibt skeptisch. SPD-Chefin Andrea Nahles forderte in der Bild am Sonntag, das Verhältnis zu Saudi-Arabien »grundsätzlich auf den Prüfstand« zu stellen. Dazu gehörten auch die Rüstungsexporte. Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Samstag abend in der ARD, es gebe derzeit »keine Grundlage, auf der positive Entscheidungen für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zu treffen sind«.


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