Aus: Ausgabe vom 16.10.2018, Seite 16 / Sport

Es lebe das Narrativ

Die US-amerikanische Basketballiga NBA startet in die neue Saison

Von Rouven Ahl
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In full effect: LeBron James von den Lakers (links) und Damian Jones von den Golden State Warriors

Wie jede andere Sportliga ist auch die US-amerikanische Basketballiga NBA von Narrativen bestimmt. Dabei unterscheidet sie sich nicht großartig von Seifenopern oder anderen Fernsehserien: Man hat eine Lieblingsfigur, in diesem Fall einen Spieler oder Verein, und will wissen, wie es mit dieser weitergeht, oder folgt einem anderen spannenden Handlungsstrang.

Das Narrativ, welches vor dem Start der neuen NBA-Saison in der Nacht zu Mittwoch im Vordergrund steht, hat zwei Hauptdarsteller: LeBron James und die Los Angeles Lakers. Das kalifornische Glamour-Franchise hat sich im Sommer die Dienste des aktuell wohl besten Basketballers der Welt gesichert. In den nächsten vier Jahren soll der 34jährige aus den Lakers wieder einen Meisterschaftsanwärter formen.

Die Experten sind sich jedoch einig: In der kommenden Saison wird daraus erst einmal nichts. Der Kader der Lakers ist zwar gespickt mit vielen Talenten, der zweite oder dritte benötigte Superstar neben James fehlt aber bis dato.

Zwei echte Superstars – die sind mittlerweile mindestens vonnöten, um am Ende der Saison in den Finals zu stehen. Der amtierende Meister, die Golden State Warriors, haben diesen Trend in den letzten Jahren bestätigt – im Kader tummeln sich mit Stephen Curry, Klay Thompson, Kevin Durant und Draymond Green gleich vier Spieler der obersten Kategorie. Und im Sommer schloss sich mit DeMarcus Cousins noch einer der besten Center der letzten Jahre den Warriors an.

Diese Bildung von sogenannten Superteams wird höchst kritisch gesehen und sollte durch den Salary Cap (Gehaltsobergrenze) eigentlich verhindert werden. Die Warriors profitierten auf ihrem Weg zum sportlich alles überstrahlenden Team der NBA – drei der letzten vier Titel gingen nach Oakland – aber von einigen glücklichen Fügungen: So machte beispielweise Kevin Durant bislang freiwillig Abstriche bei seinem Gehalt; Stephen Curry war aufgrund von Verletzungen lange unterbezahlt. Auch Neuzugang Cousins bezieht wegen einer Achillessehnenverletzung aktuell nur ein niedriges Gehalt, wird den Warriors außerdem wohl nur ein Jahr angehören.

Wer kann die Warriors stoppen? Das ist die nächste große Frage dieser Saison. In den zurückliegenden Playoffs waren die Houston Rockets nah dran, die Basketball-Supermacht zu stürzen. Die Texaner sind jedenfalls nicht viel schwächer geworden, vertrauen weiterhin auf ihren Topspieler James Harden, den MVP (wertvollster Spieler) der vergangenen Spielzeit, und exzessives Werfen von jenseits der Dreierlinie.

Ob ein Team aus der Eastern Conference (die NBA ist aufgeteilt in eine Ost- und eine Westliga) die Warriors schlagen kann, ist eher fraglich. Zugetraut wird es am ehesten den Boston Celtics und den Toronto Raptors, die bislang vor allem darunter litten, dass LeBron James den Osten unter seiner Kontrolle hatte – der »King« zog mit seinen Teams zuletzt achtmal in Folge in die Finals ein.

Doch James spielt nun im Westen; der Weg in das Finale ist also frei für ein anderes Ostteam. Dabei werden auch den Philadelphia 76ers und den Milwaukee Bucks Außenseiterchancen eingeräumt. Sie sind vor allem auf die Entwicklung ihrer Talente Ben Simmons (76ers) und Giannis Antetokounmpo (Bucks) angewiesen, beide gelten als legitime Nachfolger von James. Noch so ein Narrativ.

Die Zeit von Dirk Nowitzki in der NBA neigt sich hingegen dem Ende zu; der 40jährige Deutsche wird seine letzte Saison spielen. Dieses Narrativ zumindest findet also einen endgültigen Abschluss.


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