Aus: Ausgabe vom 13.10.2018, Seite 2 / Kapital & Arbeit

Kater nach der Party

Börsenkurse weltweit im Sinkflug. Nächste Krise deutet sich an

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Die Kurse an den Aktienmärkten stürzten in dieser Woche weltweit ab (Tokio, 12.10.2018)

Am US-Aktienmarkt ging der Ausverkauf in die nächste Runde. Der US-Leitindex Dow ­Jones Industrial fiel am Donnerstag abend zeitweise unter die Marke von 25.000 Punkten. Zum Ende des Aktienhandels schloss er mit einem Minus von 2,13 Prozent. Damit hat der Index allein in den vergangenen zwei Tagen mehr als fünf Prozent verloren. Mitte der Vorwoche hatte der Dow mit 26.951,81 Punkten ein Rekordhoch erreicht.

Auch an den Börsen in den übrigen kapitalistischen Zentren sackten die Kurse ab. Der in Tokio gehandelte Nikkei-Index hatte seit Wochenbeginn 5,4 Prozent an Wert verloren – soviel wie seit Februar nicht mehr. Der an der Frankfurter Börse notierte Aktienindex Dax verlor im Laufe der Woche mehr als vier Prozent.

Die Deutsche Bundesbank gehe davon aus, dass die »Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft überwiegen«, sagte Präsident Jens Weidmann am Freitag bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank im indonesischen Nusa Dua. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) sagte in Brüssel: »Kamen wir noch im Spätsommer aus dem Urlaub und haben geglaubt, die Konjunktur brummt, die Zahl der Arbeitsplätze steigt, die Börse bleibt oben, wir hätten Stabilität – sehen wir jetzt, dass die Party zu Ende geht.« Es bestehe das Risiko, in die nächste Krise zu geraten. »Die besten, die leichteren Jahre liegen hinter uns. Richten wir uns auf etwas frostige Zeiten im Herbst 2018 ein«, meinte Oettinger.

Profitieren konnten die US-Großbanken. Am Freitag gaben die größten Geldhäuser ihre Quartalszahlen bekannt. Beim Branchenprimus JP Morgan Chase klingelten die Kassen. Der Gewinn sprang im dritten Quartal um 24 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar in die Höhe. »Die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft sind weiterhin stark, trotz zunehmender wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten«, sagte Bankchef Jamie Dimon. JP Morgan habe bei Privatkunden soviel Geld eingesammelt wie noch nie. Die US-Geldhäuser profitierten von der US-Steuerreform, durch die die Körperschaftssteuer zu Jahresbeginn von 35 Prozent auf 21 Prozent gesunken ist, sowie den höheren Zinsen in den USA. (dpa/Reuters/jW)


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