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Tel Aviv bedroht Libanon

Hintergrund: Israels Aggression

Tausende Einwohner der libanesischen Hauptstadt Beirut haben sich am Mittwoch über eine anonyme Whats-App-Nachricht gewundert: »In der Nähe Ihrer Wohnung wurde eine Anlage der Hisbollah eingerichtet. Verhalten Sie sich vorsichtig.« Beigefügt war eine Satellitenaufnahme des Wohngebiets, in dem sich die angebliche Anlage befinden soll. Als Absender vermuteten arabische Medien den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad.

Die Drohung ist ernst zu nehmen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am 27. September in der Vollversammlung der Vereinten Nationen behauptet, Iran betreibe im Libanon mehrere geheime, gut versteckte Fabriken, in denen Boden-Boden-Raketen auf größere Zielgenauigkeit umgerüstet würden. Als Beispiele nannte er, ohne konkrete Einzelheiten oder gar Beweise anzuführen, drei Standorte in der Umgebung des Internationalen Flughafens Beiruts.

Hisbollah missbrauche »die unschuldige Bevölkerung von Beirut als menschliche Schutzschilde«, klagte Netanjahu und drohte der schiitischen Organisation gleichzeitig mit Militärschlägen: »Israel weiß, was ihr macht. Israel weiß, wo ihr es macht. Und Israel wird euch nicht damit davonkommen lassen.«

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Die libanesische Regierung reagierte, indem sie die in Beirut ansässigen ausländischen Di­plomaten zu einer Rundfahrt an die drei angeblichen Standorte einlud. Am vorigen Dienstag behauptete Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, Israel besitze weit mehr »Informationen« dieser Art.

Die angebliche Anlage im Bezirk Hadath, dessen Bewohner mit der Whats-App-Nachricht überrascht wurden, war nicht unter den drei von Netanjahu genannten gewesen. Die Vermutung liegt nahe, dass Israel nach der Stationierung russischer Luftabwehrraketen vom Typ »S-300« in Syrien geneigt sein könnte, demnächst das schlechter geschützte Beirut anzugreifen. (km)

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2018, Seite 3, Schwerpunkt

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